Superhelden stehen so hoch im Kurs wie noch nie. Der Fakt, dass jährlich zwei bis drei Filme aus den Häusern Marvel und DC Comics kommen, zeigt wo das große Geld in Hollywood aktuell steckt. Der letzte Kinobesuch für „The First Avenger: Civil War“ hat aber offenbart, warum künftige Superhelden-Filme von nun an an Bedeutung verlieren werden.

„The First Avenger: Civil War“

Viele Monate wartete ich fieberhaft auf die Erscheinung des neuen Captain America Films. Dieser hat es deshalb auch auf unsere Most-Wanted-Liste der Kinofilme 2016 geschafft. Civil War ist nun der dritte aus der Captain America Reihe, aufbauend auf “First Avenger” und “Winter Soldier”, die beide in sich die Marschroute für erfolgreiche Comic-Verfilmungen vorgegeben haben. Mit hohen Erwartungen also, die durch die viele Trailer auf das Maximum hochgeschraubt wurden, ging ich ins Kino.

Mir war schon klar, worum es in dem Film gehen würde – um den internen Streit bei den Avengers. Und auch, dass der neue Spider-Man seine Einführung bekommen würde, war im Vorhinein schon verraten worden. Das war jedoch nicht ausschlaggebend, da sich die Story tatsächlich um etwas anderes dreht.

Die Erwartungen könnten nicht höher sein

Jetzt sitze ich also, mit Nachos ausgerüstet, vor der Leinwand und werde direkt in den Bann gezogen. Auf einen Schlag bekomme ich Iron Man, Captain America, Black Panther, Vision, Spider-Man, Black Widow, Hawkeye, Ant-Man, Falcon, War Machine, Scarlet Witch und den Winter Soldier zu sehen. Wenn man also durchzählt, sind es 12 Personen, mit übermenschlichen Kräften oder Fähigkeiten, die gegeneinander Kämpfen.

Und genau das ist das Problem des Films. Manch einer wird sagen “umso mehr, desto besser” – was in der Regel auch korrekt ist. Doch wenn man es genau nimmt, gab es nicht mal in den offiziellen Avengers Filmen so viele Helden auf einmal. Außerdem hat jeder Held seine eigene Geschichte, die in mehreren Teilen verfilmt wird.

Der neue Spider-Man hat seinen ersten Auftritt (© Marvel)
Der neue Spider-Man hat seinen ersten Auftritt (© Marvel)

Grandioser Film, der an seiner eigenen Größe scheitert

Im Grunde genommen kann man sagen, dass Civil War ein grandioser Film ist. Ein Film, den es sich definitiv lohnt in deinem Lieblingskino zu gucken. Doch der Größenwahn der Marvel-Produzenten, gepaart mit der steigenden Gier der Konsumenten, hat ein Produkt erschaffen, dass schwer zu greifen ist. Dadurch, dass es prinzipiell um Captain America geht, agieren die anderen Superhelden gefühlt eher als Lückenfüller, die der an sich interessanten Geschichte mehr Brisanz verleihen sollen. Doch genau das Gegenteil geschieht (meines Erachtens).

Jeder Held bekommt seine Inszenierung, spielt aber eine eher triviale Rolle und sorgt beim Viewer für Verwirrung – für wen oder gegen wen soll man denn sein? Der Showdown ist schließlich das Aufeinandertreffen beider Teams, Team Iron Man gegen Team Captain America. Wer sich also vor dem Film für eine Seite entschieden hat, wird seine Meinung mindestens drei Mal ändern.

Kann das alles übertroffen werden?

Es wird schwer für die zukünftigen Marvel-Filme, das Drama aus Civil War zu überbieten – allein aus dem Grund, dass die Zahl an Superhelden in einem Film wieder abnehmen wird. Und damit eventuell auch die Resonanz bei den Zuschauern. DC Comics wird mit der angekündigten Justice League ein ähnliches Szenario auffahren, mit dem selben Risiko, zu viel Schießpulver auf einmal zu verwenden.

Ich war nichtsdestotrotz begeistert von „The First Avenger: Civil War“ und meine Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen. Und weil man ja bekanntlich den Teufel nicht an die Wand malen soll, werde ich deshalb weiterhin positiv in die Zukunft der Comic-Verfilmungen blicken.

 

Fotos: Geoffrey Groult, Marvel Entertainment

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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