Am Wochenende fand die alljährliche Entwicklerkonferenz von Google statt. Für die Google I/O 16 hat sich das kalifornische Unternehmen etwas ganz besonderes ausgedacht – und zwar zurück an den Ort zu gehen, wo die allererste Konferenz stattgefunden hat. Zu sehen gab es viele spannende Neuigkeiten im Software- und Hardwarebereich.

Die Konferenz fand dieses Jahr augenscheinlich unter dem Motto “Evolution” statt. Denn alles, was die Führungsriege preisgab, baut auf die bisherigen Erfolge aus dem Hause Google auf. Zu dem bedeutenden Event pilgerten natürlich alle wichtigen Tech-Größen, von CEOs bis hin zu Bloggern, die sich glücklich schätzen konnten ein Ticket ergattert zu haben. Als dann der CEO von Google, Sundar Pichai, die Bühne betrat, war klar, dass die Zukunft bevor stünde.

Skynet? Ne ne, Google Assistant!

Worauf Pichai in erster Instanz einging, ist die Evolution von Androids Sprachassistenz “Google Now”. So wie auch Siri oder Cortana, sind Sprachassistenten bisher sehr beschränkt und aus meiner Sicht noch nicht bereit für den täglichen Bedarf. Doch genau das will Google ändern. Mit Google Assistant (was für ein langweiliger Name!!!), stellt Google die Zukunft der Sprachassistenz vor. Eine künstliche Intelligenz, die tatsächlich intelligent ist und nicht nur auf programmierte Kommandos reagiert.

So ist der Assistent jetzt in der Lage, Folgefragen im Kontext heraus zu beantworten. Auch nach der fünften Frage versteht die Software, worum es geht, auch wenn keine Namen mehr genannt werden. Außerdem lernt Google Assistant dazu. Umso mehr kommuniziert wird, desto schlauer wird es. Was erstmal gruselig klingt, ist der nächste Schritt in Richtung Zukunft – ob man will oder nicht. Die Parallelen zum allwissenden Computer „Skynet“ aus Terminator sind aber teilweise schon erkennbar. Hoffen wir einfach mal, dass Google uns nicht alle auslöschen will.

Mach Platz, Google zieht bei dir ein!

Google Assistant bildet aber im Großen und Ganzen nur die Basis dafür, was wir schon bald in unseren vier Wänden beherbergen werden. Angelehnt am bereits erfolgreichen Amazon Echo, hat Google die einzig richtige Hardware vorgestellt. “Google Home” ist dein neuer Butler, der sich in einem bevorzugten Raum platziert und aus der Distanz auf deinen Input wartet.

Ob Licht ausmachen, Taxi bestellen oder Playlist starten. Das alles kann nun ohne jegliche Berührung geschehen. Wer sich ganz alleine fühlt, kann gerne auch ein Gespräch mit dem Device starten – wäre interessant zu sehen, wie weit man da kommt. So oder so ist es eine durchaus praktische Sache, besonders wenn man plant sein Zuhause komplett zu vernetzen. Für die paranoiden Datenschützer ist das aber wohl nichts. Unterm Strich ist es aber ein sehr schickes Gerät, das in verschiedenen Farben erhältlich ist.

Wir haben noch nicht genügend Messenger-Apps…

Ganz groß auftrumpfen will Google mit gleich ZWEI neuen Messenger-Apps, Allo und Duo. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Kapazität mehr für neue Messenger. Whatsapp, iMessage, FaceTime, Facebook Messenger, Snapchat, Line, Slack, Skype… Die Auswahl ist jetzt schon zu groß. Doch trotzdem hat Google etwas kreiert, das sich von allen Anderen absetzt. Die App Allo ist ein reiner Text-Messenger. Was es im Vergleich zum Rest so besonders macht, ist die Integration von Google Assistant (was sonst?!). Wenn man nun mit jemandem schreibt, schlägt der Assistent direkt immer schlaue Antwortmöglichkeiten vor.

Das funktioniert nicht nur mit dem erhaltenen Text, sondern auch mit Fotos. Google erkennt was dein Gesprächspartner gesagt hat und bietet gleich die passende Antwort – und das sogar mit überraschender Genauigkeit. Ein weiteres witziges Feature ist “Whisper-Shout”. Du hast damit die Möglichkeiten, deine Nachrichten größer oder kleiner zu machen – also entweder schreien oder flüstern. Das würde ich tatsächlich sogar nutzen.

Duo im Gegensatz konkurriert direkt mit dem Live-Video-Chat FaceTime. Die Funktionen sind auch alle gleich, bis auf das durchaus interessante Detail, dass man den Gesprächspartner bereits sehen kann, bevor man den Anruf annimmt. Dass das zu potentiellen Missverständnissen führen und auch zur Belästigung genutzt werden kann, ist leider irgendwie schon klar.

Tagträumen sollst Du jetzt auch noch!

Was natürlich nicht fehlen durfte, ist der Bereich Virtual Reality. Darüber haben wir ja schon sehr großzügig geschrieben. Nichtsdestotrotz ist das die technische Revolution, die sich viele so sehr wünschen, da gibt es kein Weg dran vorbei. Also warum nicht direkt eintauchen? Google nimmt das ganz genau und widmet sich dem Bereich mit sehr viel Ressourcen. Es überrascht daher nicht, dass Google zu den Vorreitern gehört. Angefangen bei Google Cardboard, der super einfachen und günstigen VR-Brille, die jedes Android-Phone ready macht. Oder auch Google Tango, dem Indoor-Mapping-Projekt, dass schon bald das verlaufen in den immer größer werdenden Häusern unmöglich macht. Stellt euch also beim nächsten Shopping-Trip darauf ein, dass der Google Assistant euch daran erinnert, dass die neue Kollektion sich 30 Meter entfernt befindet.

Tatsächlich vorgestellt hat Google auf der Bühne aber “Daydream”. Ich finde, dass dieser Name unsere Zukunft mit Virtual Reality ganz gut zusammenfasst. Durch das eintauchen in eine neue, unechte Welt, werden wir wie Tagträumer wirken, die der Realität entfliehen. Ja, man kann natürlich übertreiben. Spannend ist Daydream allemal, denn man hat die ersten Einblicke bekommen, wie weit entwickelt diese Technologie ist und wie kurz davor sie ist, es in den Mainstream zu schaffen. Wir werden Daydream aber wohl vorerst in der Entertainment-Branche erleben (mein Tipp ist vor allem Videospiele).

Google… Google everywhere

I/O 16 hat klar gemacht, wo Google hin will. Und zwar will es überall sein. Was sehr vieles natürlich erleichtert und langfristig den Weg für viel mehr Innovation ebnet, ist zugleich eine krasse Erinnerung daran, dass wir langsam aber sicher immer mehr Kontrolle aus der Hand geben. Das soll gar nicht so paranoid klingen, wie es bestimmt tut. Da ich ja technischem Fortschritt generell offen gegenüber stehe, werde ich sicherlich ein Early-Adopter sein.

Die gesamte Google I/O 16 Entwicklerkonferenz kannst Du hier sehen:

Foto: Ken Yeung

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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