Für mich wurde es endlich mal Zeit, aus Europa rauszukommen. Möglichst in eine andere Welt, in der es maximal anders ist, als in Europa. Bezahlbar und nicht kalt sollte es auch sein und so ist meine Wahl auf Südostasien gefallen. Hier sind diese Anforderungen erfüllt, die Infrastruktur für Reisen mit dem Rucksack sind sehr gut und das Essen ist fast überall der Hammer. Im Detail habe ich mich für Vietnam, Myanmar und Thailand entschieden.

Vorbereitungen

Wenn du mit Packen beginnst, mach’ dir eines klar: Du musst jedes Teil, das du mitnimmst, tragen. Jedes T-Shirt, jeden Pulli, jedes Buch, jedes technische Gerät wiegt und das muss getragen werden. Mein Rucksack wog beim Abflug 10,3 kg und mein Handgepäck noch einmal 4,5 kg. Also insgesamt rund 15 kg. Mehr würde ich absolut nicht mitnehmen.

Es ist nicht ganz einfach nur das wichtigste einzupacken.
Es ist nicht ganz einfach nur das wichtigste einzupacken.

Besonderes bei den Kleidern könnt ihr sparen. Ich habe zum Beispiel nur vier T-Shirts und ein Hemd dabei. Das geht, weil du entweder mit der Hand wäscht oder in Hotels für kleines Geld waschen lassen kannst. Es ist wichtig das es 3-4 gute Shirts sind. Aber nimm nicht dein Lieblingsstück mit. Reisen mit dem Rucksack ist nicht chillen am Strand. Da kann schon mal etwas kaputt gehen und nass werden – entweder durch Regen oder durch Schweiß. Schau dir, was das packen angeht, mal Seiten von erfahren Backpackern an. Da gibt es diverse Checklisten, die für mich sehr hilfreich waren. Und noch was: Plane deine Reise nicht von A bis Z durch. Buche die Flüge und die erste Nacht. Das reicht erst mal. Und dann lass’ die wunderbare Welt in Süd-Ostasien auf dich wirken.

Erste Eindrücke von meiner Reise durch Vietnam

Los geflogen bin ich in München. Erster Stop war in Abu Dhabi, von da ging es nach Bangkok und dann weiter nach Hanoi. Eine Reise von knapp 22 Stunden. Als Mann mit ewig langen Füßen war das durchaus ein Problem für mich. Bewegungsfreiheit und viel Schlaf – eher Fehlanzeige. Das Essen hingehen war hervorragend. Ein Pluspunkt bei einer Fluggesellschaft aus dem arabischen Raum.

Übrigens, zur Zeit brauchen deutsche Staatsbürger kein Visum für Vietnam. Die einzige Einschränkung: Befristeter Aufenthalt für 14 Tage, nach Ausreise und wieder Einreise müssen mindestens 30 Tage vergangen sein, Verlängerungen des Visums sind an diversen administrativen Stellen in Vietnam in der Regel problemlos möglich aber nicht kostenfrei.

So schnell wirst du Millionär!

Angekommen in Hanoi habe ich mir erst einmal 2.000.000 VND (Dong) am Automaten abgehoben. Jep, in Vietnam ist es ziemlich einfach, Millionär zu sein und die 100 000er durch den Club zu schmeißen. Der momentane Kurs zu Euro ist 1 zu 25.000. Das heißt 500.000 Dong (größter verfügbarer Schein) sind etwa 20 Euro. Aufpassen, der 500.000er und der 20.000 sind beide blau und leicht zu verwechseln. Deshalb können euch, besonders als Neuankömmlinge, geschickte Individuen leicht mit diesem Trick abziehen. Zu meinen großen Ärger, ist mir genau das während der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt passiert. Halte immer die Augen offen. Aber eins ist fast sicher: Im größeren oder kleineren Stil wirst du auf deiner Reise bestimmt über den Tisch gezogen werden. Traurig ist natürlich trotzdem.

Essen in Vietnam - Hanoi
Beim Essen kannst du wenig verkehrt machen

Noch ein paar Tackte zu Preisen. Für 30.000 bis 40.000 kannst du gut und lecker Mittagessen. Ein stattliches Abendessen kann gut 100.000 bis 150.000 pro Person kosten. Bei Übernachtungen macht es oft Sinn, in Dollar zu rechen. Da sind 4 bis knapp unter 10 Dollar für ein Bett im Schlafsaal zu schätzen. Ab 15 Dollar bekommst du ein eigenes Zimmer und ab 20 Dollar ein richtig gutes Hotel Zimmer. Langsam aber sicher entwickelt sich auch ein ausgeprägter Luxusbereich. In den hatte ich aber mangels Interesse und Geld keinen Einblick. Alkohol ist verhältnismäßig teuer. Regionales Bier, ich kann hier Tiger, Le Rue, Bia Hanoi oder Bia Saigon empfehlen, zahlst du 15.000 – 30.000, für einen Cocktail solltest du mit 50.000 bis 90.000 rechen. Mehr bezahlen geht natürlich immer. Ich rate nicht zu einer Umrechnung in Euro, sondern zum Vergleich eher, was du für dein Geld an Essen bekommst. Da hilft es denke ich, sich im Preisgefüge des Landes besser einzuleben. Und dann wirst du auch eher stutzig, wenn dir eine Obstverkäuferin 100.000 für zwei Mangos und sechs Bananen abnehmen will.

Teil 1: Hanoi, Cat Ba und Hué

Jetzt aber zu Hanoi

Hanoi ist die Hauptstadt von Vietnam und war schon in der Französischen Kolonialzeit das zentrale Verwaltungszentrum, von dem aus die Kolonie Indochina (zur Kolonie Indochina gehörten das heutige Vietnam, Kambodscha, Laos und kleine Teile Chinas, wenn auch nur kurzzeitig) durch einen Generalgouverneur verwaltet wurde. Das touristische Zentrum ist die Altstadt, die hier „Old Quarter“ genannt wird. Sie war einst umgeben von einer Stadtmauer, die in Teilen im Straßenverlauf auch noch heute zu erkennen ist. Sehr schön ist, dass in regelmäßigen Abständen wunderschöne Stadttore, die deutlichen chinesischen Einfluss zeigen und sehr gut erhalten sind, zu sehen sind.

Hanoi in Vietnam
Hanoi in Vietnam

Hanoi ist eine eher konservative, quirlige, schöngeistige Stadt. Dadurch, dass Hanoi Hauptstadt ist, wirst du mehr Polizei und Militär auf den Straßen sehen, als in allen anderen Teilen des Landes. Besonders schön fand ich, dass Hanoi eine sehr grüne Stadt mit mehren großen Seen ist. Eine Stadt deren Energie mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Es ist nicht immer alles so, wie es dir erzählt wird…

Was Museen angeht, solltest du unbedingt in das Gefängnis Hoa Lo gehen. Dieses Gefängnis wurde von den Franzosen errichtet, um gegen die Unabhängigkeitsbewegung vorzugehen. Eindrucksvoll und propagandistisch wird diese Zeit dargestellt. Im Zweiten Indochina Krieg (im Westen bekannt als Vietnam-Krieg und in Vietnam oft als Amerikanischer Krieg bezeichnet. Ich bevorzuge die Bezeichnung “Zweiter Indochina Krieg”, da so die historische Abfolge der Konflikte aber auch die geografische Ausdehnung, nämlich fast über das gesamte Gebiet der ehemaligen Kolonie Indochina, deutlich wird) diente das Gefängnis als Lager für amerikanische Kriegsgefangene. Es erhielt den Spitznamen „Hanoi Hilton”.

Die Darstellungen im Museum sind mit Vorsicht zu genießen
Die Darstellungen im Museum sind mit Vorsicht zu genießen

Die Darstellung im Museum besagt, dass die Kriegsgefangenen alle samt hervorragend und zuvorkommend behandelt wurden. Dies ist aber nach allgemeiner Quellenlage schlicht und ergreifend falsch. Das “Hanoi Hilton” war ein berüchtigtes Foltergefängnis. Zum Beispiel der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat, John McCane, war dort Gefangener und hat bleibende Schäden durch die dortige Folter erlitten. Warum schreibe ich das? Ich halte es für wichtig, dass du dir klar machst, das Vietnam kein freies Land ist. Vietnam ist eine Einparteien-Diktatur. Vom Sozialismus ist nicht als die Diktatur, die Propaganda und die Symbolik übrig. Die Wirtschaft ist eiskalt kapitalistisch. Es hat bis heute keine echte historische Aufarbeitung stattgefunden und ist auch nicht gewünscht. Mach dir diese Punkte klar, wenn du Museen besuchst oder Flyer liest. Für dich persönlich wird die Unfreiheit im Land keine Auswirkungen haben. Außer du bekommst Probleme mit der Polizei, aber dann würde ich mich schnellst möglich an die Deutsche Botschaft wenden.

Was das Essen in Hanoi angeht, kannst du meiner Meinung nichts falsch machen. Ob du in einem Lokal oder an einem kleinen Stand am Straßenrand isst, spielt keine Rolle. Ich fand es überall hervorragend. Auch diejenigen, die Angst vor extrem scharfem asiatischen Essen haben, können beruhigt sein. Besonderes in Nordvietnam ist das Essen kaum scharf. Was du auf jeden Fall in Hanoi essen musst, ist die traditionelle Nudelsuppe Phó. Sie ist angeblich in Hanoi die beste des Landes. Diese Suppe zum Essen, einfach lecker.

Fortsetzung folgt…

Meine Reise ging weiter nach Cat Ba und Hué. Darüber mehr im nächsten Teil!

Valentin Kuby

Ich bin Student der Staatswissenschaft mit Schwerpunkt internationale Politik und Sicherheitspolitik, Geschichtsfernatiker, Harry Potter Fan und Freund von klassischen Anzügen und handgefertigten Schuhen. Feminist und politisch aktiv bin ich auch noch. Kochen und gutes Essen (auch Wein und Whiskey) ist meine Leidenschaft, was auch optische folgen hat. Ich bin eine Freund der Schönen Künste und mein Lieblingsbuch ist Goethes Faust.

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