Der Aufschrei war groß, als die ersten Gerüchte um das neue iPhone die Runde machten. Apple soll nämlich planen den 3,5 mm Anschluss, der uns schon seit Jahrzehnten begleitet, endlich abzuschaffen. Stattdessen soll der Lightning Connector als einzige Verbindungsstelle dienen. Was erstmal nach einer schlechten Idee klingt, ist meiner Meinung nach der einzig logische Schritt!

Apple ist bekannt dafür, eher drastische Entscheidungen zu treffen, was ihre Produkte angeht. Das betrifft am öftesten die Anschlüsse von iPhones oder Macs. Die besten Beispiele hierfür sind die Wechsel von USB zu Thunderbolt und USB Type C, oder vom 30-Pin-Connector (bis iPhone 4S) zum Lightning Connector. Nun steht schon die nächste drastische Änderung bevor – der Abschied vom 3,5 mm Headphone Jack. Die Konkurrenz namens Motorola hat das beim neuen modularen Moto Z sogar bereits umgesetzt.

Kopfhörer-Anschlus weg? Warum ist es schlimm?

Der offensichtlichste Grund, warum das Verschwinden des bekannten Klinkensteckers schlimm wäre, ist die dadurch resultierende Obsoleszenz der alten Kopfhörer. Viele von uns schwören auf ganz bestimmte Kopfhörer und mehrheitlich haben die noch immer ein Kabel. Die Nutzung eines universellen Steckers macht ja auch Sinn, denn so kann man kinderleicht die Kopfhörer mit allen möglichen Geräten verbinden. Wenn nun Apple sich dazu entscheidet, den Klinkenstecker zu entfernen, würde man in Zukunft mehrere Kopfhörer mit sich herumtragen müssen (zumindest kurzfristig).

Außerdem könnten Freunde und bekannte nicht einfach ihre Kopfhörer anstecken, sondern müssten deine nutzen – was für viele aus hygienischen Gründen ein No-Go ist. Es müssten sich also quasi alle neue Kopfhörer zulegen, die den Lightning Connector haben. Dann stellt sich aber gleich die nächste Frage: wie lange bleibt Lightning? Denn in den neuesten Smartphones und Laptops wird schon die neue Innovation USB Type-C verbaut. Und weil Apple das auch schon beim MacBook macht, liegt es nah, diesen Anschluss großflächig zu verbauen.

Klar kann man an dieser Stelle sagen, dass man einfach Bluetooth-kopfhörer kaufen soll. Denn Bluetooth ist ja der neue Technologie-Trend, wodurch gefühlt jedes Gerät kabellos vernetzt werden kann. Wenn man aber mal in den Markt schaut, merkt man schnell, dass gescheite Bluetooth-Kopfhörer um einiges teurer sind. Außerdem ist die Auswahl an kabellosen In-Ear-Kopfhörern bisher sehr mager, und auch da sind die Guten zu teuer. Dann kommt auch noch der zusätzliche Aufwand mit dem Akku in den Kopfhörern, der je nach Nutzung mehrmals pro Woche aufgeladen werden muss. Zuletzt gibt es noch die Lösung mit Adaptern zu arbeiten. Aber das kommt auf gar keinen Fall in Frage (Nieder mit Adaptern!!!). Eine kurzfristig zufriedenstellende Lösung scheint es also nicht zu geben.

Warum ist es dennoch der richtige Schritt?

Das Ganze klingt jetzt schon mal sehr frustrierend. Die ersten Stimmen schreien schon, dass das nur Geldmacherei ist! Diesen Vorwurf kann man natürlich nicht komplett verwerfen, dennoch sehe ich es als die logische Konsequenz in der Entwicklung unserer Smartphones. Denn wie so oft, bekommt man nur Fortschritt hin, wenn man altes endlich verwirft. Außerdem sollen die Produkte ja immer dünner, leichter und besser werden. Und genau da ist der 3,5 mm Stecker ein Dorn im Auge. Aktuell kann ein Smartphone nur so dünn wie das dickste Einzelteil im Gerät werden. Der Lightning Connector ist ungefähr halb so dick, wie der bisherige Audiostecker. Das iPhone könnte demnach zwischen 2-3 mm abnehmen. In Relation zur Gesamtgröße, wäre das iPhone ungefähr 40% schmaler. Da aber auch ein Smartphone nur bedingt dünn sein kann, könnte man den zusätzlichen Freiraum, der entsteht, mit neuer Technologien oder mehr Batterie füllen.

Hinzu kommt, dass der Weg, den so ziemlich alle Technologie-Unternehmen gehen darin besteht, frei von Kabeln zu sein. Ich habe Bluetooth-Kopfhörer ja bereits angesprochen. Eine eher positive Konsequenz aus dem Aussterben des Klinkensteckers würde die Förderung von kabellosen Kopfhörern sein. Wer im BWL-Unterricht aufgepasst hat, weiß, dass sich Preise in der Regel an den Markt anpassen. Sprich, wenn vermehrt qualitativ hochwertige Kopfhörer zu günstigeren Preisen erhältlich sind, bildet sich ein Branchen-Durchschnitt, der dem Endkonsumenten dann zugute kommt. Am Ende wollen die Hersteller eben doch den Massenkonsum mitnehmen. Aber auch die Bluetooth-Technologie selbst erfährt dadurch einen Innovations-Aufwind, der dazu führen wird, dass das Koppeln von Kopfhörern und Smartphones immer einfacher und schneller gehen wird.

Schließlich muss man auch hinzufügen, dass der Kopfhörer-Anschluss ein Relikt aus technologisch längst vergessenen Zeiten ist. Genauer gesagt aus den 1980er Jahren! So gesehen ist es eine Technologie, die seit über 30 Jahren kein allumfassendes Upgrade erfahren hat. Und das passt mal gar nicht zu unserem zukunftsorientierten Denken und Handeln! Wir sollten uns in diesem Falle unbedingt mal etwas neuem öffnen, denn wie sagte Barney Stinson schon so schön: „New is always better“!

„Also was soll ich jetzt kaufen, Lightning oder Bluetooth?“

Noch brauchen wir uns dazu überhaupt keine Gedanken machen, denn ein neues iPhone kommt erst in ein paar Monaten raus. Auf die Frage ob sich Lightning-Kopfhörer jetzt schon lohnen, ist die Antwort nein. Die günstigsten Lightning-Kopfhörer auf dem Markt, die offiziell mit Apples Technologie vertrieben werden, kosten mindestens 200€. Und auf die Gefahr, dass auch der Lightning Connector ein jehes Ende findet, sollte man sein Geld doch sparen und nicht gleich zuschlagen. Ob es zudem praktisch ist, ist auch eine Frage, denn gleichzeitig Musik hören und iPhone aufladen würde nicht gehen.

Wer sich dringend neue Kopfhörer zulegen will, sollte also eher zu Bluetooth-Kopfhörern greifen. Besonders bei Over-Ear-Kopfhörern ist die Auswahl und die Preisspanne schon sehr groß. Nur bei In-Ear-Kopfhörern gibt es noch viel Luft nach oben. Aus diesem Grund würde ich auch hier empfehlen erstmal abzuwarten, was die nächsten Monate auf den Markt kommt. Denn auch Apple wird sich in Sachen Kopfhörern Gedanken gemacht haben, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in diesem Bereich zusammen mit Beats by Dr. Dre Neuheiten vorstellen.

Kopfhörer-Anschluss: Jetzt ist Deine Meinung gefragt!

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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