Die Felsengräber erreicht man über einen recht steilen, über Gestein und Geröll verlaufenden Weg, den wir uns mit ein paar anderen Wanderlustigen, die trotz der 40 Grad im Schatten, ihrer Chance das Wunderwerk der Nabatäer aus nächster Nähe betrachten zu können, nutzen wollten.

Nach einigen kleinen und einer etwas größeren Pause, in der wir die Möglichkeit wahrnahmen, an einem kleinen Stand mit ein paar Bänken, von denen man den Blick runter ins Tal von Petra in Ruhe genießen konnte, etwas Rast zu machen und ungefähr einen Liter Wasser in uns reinzuschütten, um nicht vollständig zu dehydrieren, kamen wir schließlich oben am Fuße der Felsengräber an.

Um uns herum standen einige Leute, die vergnügt Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln aufnahmen. Doch das allein reichte uns nicht. Wir wollten noch etwas höher hinaus und auf einen Felsvorsprung, den man nach ungefähr 15 Minuten des weiteren kriechen und kletterns erreichte hoch, da man von dort oben einen unvergleichlichen Blick auf die Felsengräber, sowie das Umland Petras geboten bekam. Mit einem netten, niederländischen jungen Typen, der kurz vor uns den Aufstieg wagte, machen wir nach Ankunft erstmal ein kleines Fotoshooting und selbstverständlich auch ein paar Panoramaselfies. Glücklich und erschöpft zugleich, beschlossen wir etwas später langsam den Abstieg anzutreten, da unser „Date“ mit unserem Gastgeber Ali in nicht all zu weiter Ferne lag.

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Ein Esel kommt selten allein

Schwitzend und etwas keuchend kamen wir nach einer guten dreiviertel Stunde wieder im Tal an. Vom Hunger getrieben und aufgrund des leeren Magens etwas mürrisch, schauten wir uns nach einer geeigneten Option um, einen kleinen Snack vor dem traditionell zubereiteten Abendessen von Ali in der Höhle zu uns zu nehmen. Leider gestaltete sich dies wesentlich schwieriger als erhofft. Lediglich eine kleine mit Teppich verhangene Hütte am Rande des mit Kamelen berittenen Wegs bot uns die Möglichkeit kurz ein Päuschen einzulegen und uns mit zwei Flaschen Wasser und ein paar frischen Früchten einzudecken.

Nachdem dies erledigt war beschlossen meine Freundin und ich uns erst mal für einen Moment auf eine kleine Erhöhung zu setzten, um besser nach dem so langsam erwarteten Ali Ausschau zu halten. Unser Freund machte sich andererseits noch weiter hoch auf den Weg, da er ein paar Panoramabilder aufnehmen wollte. Wie das so ist im Leben, kaum war unser Freund um die Ecke verschwunden und außer Hörweite, sahen wir Ali’s netten kleinen Esel, der das BMW-Zeichen stolz auf seiner Stirn trug in unsere Richtung, nennen wir es mal galoppieren. Zu unser Verwunderung nicht mit Ali im Gepäck, sondern mit seinem besten Freund Mehdi.

Der freundlich dreinschauende, leicht mit schwarzem Eyeliner geschminkte und stets mit einem traditionellen Umhang bekleidete Mehdi, fragte schon von weitem, wo denn unser Freund abgeblieben wäre, da er von Ali den Auftrag bekommen hat, uns sicher zu unserem Schlafplatz zu geleiten. Er ritt so schnell das eben mit einem Esel so möglich ist, ein paar Meter den Hügel hoch, um Ausschau nach unserem Freund zu halten, als Ali von weitem auf uns zukam. Wir entschieden Ali schon mal in Richtung unserer Höhle zu folgen, während Mehdi sich der Suche nach unserem Kumpel verpflichtete. Fernab der touristischen Wege, gingen wir wunderschönen, naturbelassene Wege über Stock, Stein und Geröll und kamen aus dem Staunen, uns in einer dermaßen einzigartigen Umgebung zu befinden gar nicht mehr raus.

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Das Festmahl

Nach einer ca. 30 minütigen Wanderung, zeigte Ali mit seinem Finger auf eine hölzerne Tür, die in Stein eingelassen war. Wir waren angekommen! Die schätzungsweise 8-10qm große Höhle, war von innen spartanisch, aber dennoch recht gemütlich und heimelig eingerichtet. Die Decke war ziemlich niedrig, aber auch ich mit 185cm könnte sogar grade noch so aufrecht stehen. Der Boden war mit ganz vielen Kissen, Decken und einem kleinen Holztisch tapeziert. Ali machte sich während  unseres Erkundungsgang schon an das Abendessen und legte einige geformte Kugeln aus Alufolie, in die Glut, des so langsam runterbrennenden Feuers.

Ein älterer auf einem Esel vorbeireitender Mann kam an unserer Höhle vorbei und wurde kurzer Hand reingebeten. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Ali’s Vater, der auch zum Essen geladen war. Der Inhalt der Alukugel, der sich als Fladenbrot mit Reis, Fleisch und leckerer Gemusefüllung entpuppte, war wieder einmal köstlich und ließ sich gut, in der netten kleinen Runde um den Steißbeinhohen Holztisch am Boden genießen.

Party in Petra

Etwas später am Abend, als es um die Schlafplatzfindung ging, eröffnete uns Ali, dass er noch ein paar Freunde erwartet. Keine 10 Minuten später hörten wir draußen Gelächter und grölende Stimmen, die näher zu kommen schienen. Als wir unsere kleine Tür öffneten, um die Quelle dieses plötzlichen Lärms auszumachen, sahen wir im stockdunklen, nicht zu vergessen sehr steilen Rand des kleinen Bergs, auf dem unsere Höhle in Stein geschlagen war, die Silhouetten dreier Männer, die freudestrahlend und mit Weißwein bewaffnet auf uns zu kamen. Kaum zu glauben, dass ihnen die Lebensgefahr, der sie sich aussetzten, indem sie bei dieser Finsternis, alkoholisiert den Weg zu uns bestritten gar nicht bewusst waren.

Sie kamen rein, setzten sich zu uns und betrachteten mit großen Augen die Bose Soundlink Speaker, welche ich mit auf unsere Reise genommen habe, um in jeder Situation für die richtige musikalische Untermalung sorgen zu können. Als ich dem einen der drei jungen Herren zeigte, wie er ganz ohne Kabelverbindung seine Musik vom Handy abspielen konnte, verstand er im ersten Moment die Welt nicht mehr so ganz – es war ein Bild für Götter. Als unser Freund ihnen dann noch zeigte, wie man eine Flasche Wein ohne Korkenzieher öffnen kann (indem man den Korken mit etwas spitzem reindrückt), hatten wir neue Freunde gefunden.

Die Trinkrunde unserer netten Nachtbegleiter konnte weitergehen und so langsam beschlich uns die Sorge, die Herren wohl erst spät in der Nacht loszuwerden und nur wenig Schlaf zu finden, obwohl die lange Rückreise Richtung Israel am nächsten Tag anstand. Als einzigen Ausweg für ein paar ruhig Stunden Schalf, sahen wir in der Flucht aus der Höhle, in die Natur. Also haben wir nicht lange gefackelt, unsere dünnen Decken und jeweils ein Kissen gepackt und sind etwas höher auf den Berg geklettert, auf dem sich die Höhle befand. Nachdem wir es uns neben einer gut 30 Meter tiefen Schlucht gemütlich gemacht haben, schliefen wir glücklich unter dem imposanten Sternenhimmel der Felsenstadt Petra’s ein.

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Aufbruchsstimmung

Punkt 06h morgens rief uns Ali schon vom Eingang seiner Höhle und wirkte etwas unentspanner als am Vortag. Nachdem er desöfteren betonte, dass es Zeit wäre aufzubrechen, wurden wir etwas stutzig und hakten nach. Es stellte sich heraus, dass er zwar der rechtmäßige Eigentümer der Höhle war, es jedoch strengstens verboten war, Zivilisten dort hinzuführen geschweige denn sogar dort schlafen zu lassen. Er sagte weiter, dass wir deshalb etwas schneller machen sollten, da ab 07h das Personal von Petra eintraf und uns unter gar keinen Umständen zu Gesicht bekommen sollte, da dies großen Ärger für ihn und im schlimmsten Fall auch für uns bedeuten könnte.

Daraufhin packten wie unsere sieben Sachen, Ali seinen Esel und wir liefen die knapp 5-6 Kilometer durch die Morgenlicht Hitze zu einem Seiteneingang Petra’s. Als wir ziemlich fertig durch den ungeplanten Frühsport dort ankamen, müssten wir uns nur noch mit einer fadenscheinigen Ausreden am Security vorbeischmuggeln, um in Mehdis Auto einzusteigen, der hinter der Absperrung schon auf uns wartete. Glücklich aber fertig zugleich, eine der aufregendsten Nächte unserer Lebens verbracht zu haben, schnürten wir uns unserer Trekkingrucksäcke um und stiegen in dem von uns organisierten Transporter zurück Richtung Grenze. Es war ein gigantisches Abenteuer, welches wir wohl alle drei niemals vergessen werden. Und wenn Ali seine Höhle noch besitzt, bietet er diesen besonderen Service wohl noch heute an. Wer sich von euch abenteuerlustigen jetzt inspiriert fühlt, ist herzlich dazu eingeladen es nachzumachen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Oliver Haarmann

Ich studiere Wirtschaftspsychologie und in mir steckt ein kleiner Sherlock, denn gute Psychothriller gehören zu mir wie das Ginger Beer in den Stoli, was mich auch gleich zu meinem Lieblings-Drink führt. Wenn ich nicht gerade arbeite, wird immer ausgiebig gekocht, die neusten Netflix-Produktionen geschaut oder im englischen Garten eine Runde gekickt. Sobald es das Budget zulässt, wird die nächste Reise geplant, am liebsten in sonnige Länder, denn ich bin ein absoluter Sommermensch. Meine große Liebe gilt außerdem der Musik. Teilt euer Feedback gerne auf Instagram @oh.xxii mit mir.

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