Jeder kennt das: Du checkst deinen Newsfeed und siehst immer wieder Posts, die einen reißerischen Titel haben. So etwas wie „Du wirst nie glauben, was danach passiert ist“, ist eine der vielen Varianten, um den User zu verleiten in den Beitrag zu klicken. Das wäre gar nicht so schlimm, wenn der Inhalt im Beitrag dann auch interessant wäre. Doch das ist leider immer seltener der Fall.

Clickbait – Das Problem

Der Ursprung der so genannten „Clickbaits“ (Klick-Köder) lässt sich auf die viralen Social-Media-Seiten zurückführen. Besonders auf Facebook waren es Seiten wie „Heftig“, die ihre Headlines so verfasst haben, dass der User geködert wurde und die Antwort nur im Artikel lesen konnte. Das Paradebeispiel ist und bleibt „Du wirst nie glauben, was danach passiert ist“. Egal wie resistent man ist, hin und wieder klickt man in solche Artikel rein. Und diese Prozedur hat sich inzwischen soweit etabliert, dass sogar die größten News- und Entertainmentseiten diese Vorgehensweise auf Social Media nutzen.

Clickbait von Bild.de
Clickbait von Bild.de

Zu sagen, dass die Seiten, die Clickbaits nutzen, die Bösen sind, ist hierbei aber zu simpel. Das Problem liegt eher am Überangebot von Content. Wir verbringen inzwischen so viel Zeit in den sozialen Netzwerken, dass wir vieles einfach übersehen. Und weil die großen Seiten hauptsächlich von Werbeeinnahmen leben, brauchen sie die Klicks der User. Denn warum solltest Du in einen Artikel klicken, wenn Du im Facebook-Post schon alle relevanten Informationen erhalten hast. Der Inhalt muss also herausstechen und uns in den Bann ziehen. Doch wie es so oft ist, versteckt sich hinter der Headline oftmals ein sehr enttäuschender Artikel, der einen nur frustriert.

Die Lösung

Es ist offensichtlich, dass wir Clickbaits nicht wollen, denn wer lässt sich schon gerne verarschen?! Leider ist die Lösungsfindung genauso komplex wie das Problem selbst. Fangen wir mal bei Facebook selbst an. Weil das weltweit größte soziale Netzwerk interessiert daran ist, dem User den besten Content in den Feed zu schieben, wurden kürzlich verschiedene Maßnahmen implementiert. So hat Facebook angefangen, Posts, die einen offensichtlichen Clickbait enthalten, herunterzustufen, was eine geringere Reichweite nach sich zieht. Nur Hardcore-User, die oft mit der Seite oder den Posts interagieren, bekommen sie immer noch ausgespielt. Weil die viralen Seiten das inzwischen kapiert haben, sehen Clickbaits inzwischen anders aus. Der neueste Trend ist das Abschneiden der Headline. Die Headline wird bewusst extra lang verfasst, sodass die relevante Info, die natürlich am Schluss des Satzes hängt, durch „…“ ersetzt wird.

Fast schon geschmacklos: Clickbait von heftig.co
Fast schon geschmacklos: Clickbait von heftig.co

Eine einfachere Lösung wäre, dass die Publisher die ganze Clickbait-Geschichte hinter sich lassen, und durch wahrlich interessanten Content den User auf die Seite leiten. Da zeigt sich aber gleich das nächste Problem. Da viele Portale oftmals nicht genug interessante Inhalte haben, aber gleichzeitig die Klickzahlen stimmen müssen, muss auch mal „doofes“ her. So sieht man auf einer vertrauenswürdigen Webseite schnell mal ein Video einer Katze, die einem Hund die Nase anstubst. Und Du wirst niemals glauben, was danach passierte! 😉

Dann eben Selbstjustiz

Weil Facebook bei solchen Maßnahmen NOCH machtlos ist, hat sich eine kleine aber effiziente Elite an Internet-Usern gebildet, die die Sache selbst in die Hand nehmen. Die haben es sich zur Aufgabe gemacht, in den Kommentaren von Posts die Auflösung des Clickbaits zu posten, und ahnungslose User vor dem nutzlosen Klick zu bewahren. Besonders in Amerika ist die Bewegung immens gewachsen. Was man sehr oft sieht inzwischen, ist „#savedyouaclick“. Dieser Hashtag wird bei jeder Clickbait-Auflösung drangehängt. Ich bin inzwischen soweit, dass ich bei Facebook-Posts immer erst die Kommentare nach diesem Hashtag durchsuche. Ich könnte natürlich auch in den Artikel klicken und die Lösung eventuell schneller finden – doch hier geht es ums Prinzip.

Eine ähnliche Vorgehensweise hat die Seite tl;dr. Auf dieser Facebookseite werden die trügerischen Facebook-Posts geteilt, und mit der Auflösung versehen. Zusätzlich werden in den Kommentaren auf den Ursprungsseiten auch noch die Auflösungen gepostet. Das Ganze macht aber nicht nur eine Person. Hinter den Seiten verbirgt sich ein ganzes Netzwerk an Usern, die zusammen die sozialen Netzwerke durchstöbern, und Clickbaits offen legen. Das Ziel von tl;dr soll schlussendlich sein, für User die Bezugsquelle zu werden. Und sollte eine Clickbait-Seite, der Du folgst, nicht dabei sein, kannst Du die einreichen, damit die dann auch aufgelöst wird.

So bekämpft tl;dr Clickbaits
So bekämpft tl;dr Clickbaits

Auch Du kannst gegen Clickbaits vorgehen. Wenn Du mal einen Post siehst, der klar darauf aus ist, den Klick des Users zu kassieren, dann überfliege den Artikel und poste die Antwort auf die Headline in den Kommentaren. Die User werden es Dir danken! Alles nach dem Motto: „Einer für alle, alle für einen!“

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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