Wenn Backpacker ein neues Reiseziel aussuchen, dann sind die offensichtlichen Entscheidungen oft Asien, Südamerika oder auch einfach Europa. Dort ist es ja auch schön, warm und aufregend. Mein bester Freund Adam und ich wollten für unsere nächste Reise aber etwas verrücktes. Also entschieden wir uns für die Ostküste Kanadas, die wir im Winter bereisen wollten. Obwohl wir wussten, dass es im Winter natürlich kalt sein würde, hatten wir nicht mit dem kältesten Winter seit 1875 gerechnet. Und trotzdem war es die beste Entscheidung, die wir wohl jemals getroffen haben.

Unsere Strecke von Toronto nach Montréal
Unsere Strecke von Toronto nach Montréal

Langsam ein- und ausatmen

Unser Trip startete in Toronto, wo wir von München aus direkt hingeflogen sind. Nach mehr als 12 Stunden Flug, kamen wir zwar übermüdet aber voller Tatendrang an. Zum Glück hatten wir unsere Winterklamotten bereits an, denn vor den Türen des Flughafens erwartete uns eine unangenehme Überraschung. Keine drei Schritte ins freie gemacht, blieb uns die Luft weg –  im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei unserer Ankunft herrschten bereits -20°C, die ein normales atmen unmöglich machten. Hustend und nach Luft ringend, bewegten wir uns zum nächsten Bus, der uns zu unserem Hostel ins Stadtzentrum fahren würde.

Toronto von oben
Toronto von oben

Bei der Fahrt in die Stadt wird uns eines ziemlich schnell klar. Toronto ähnelt architektonisch stark der nicht weit entfernten Metropole New York. Lange gerade Straßen, in Blocks aufgeteilte Bezirke und natürlich eine Art Times Square namens Yonge-Dundas Square. Aber trotzdem hat Toronto einen eigenen Stil und Charme, was vor allem durch die Menschen dort zustande kommt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mit einem Cliché reinen Tisch machen: Kanadier sind die nettesten Menschen, die es wohl auf der Welt gibt. Etwas, was ich bei den niedrigen Temperaturen sehr feierte, war das groß ausgebaute Untergrundsystem für Fußgänger namens „Path“. So kann man die ganze Stadt durchqueren, ohne einmal an die frische Luft zu gehen. Kulinarisch waren wir eher klassisch amerikanisch unterwegs. Morgens gab es Pancakes mit Ahornsirup, und sonst immer Burger, Spareribs und sonstige Fleischgerichte. Ans Abnehmen war also nie zu denken.

Eines der größten To Dos auf unserer Liste war ganz klar den dortigen Nationalsport live zu erleben. Ich spreche natürlich von Eishockey. Wir hatten kurzfristig noch Restkarten für die ansässigen Maple Leafs bekommen, die sich als mittelklassige Mannschaft herausstellten. Das Spiel verloren sie zwar, aber die Atmosphäre vor und während dem Spiel war Wahnsinn! Das folgende Video deutet ganz gut an, wie ernst die Kanadier es mit ihrer Lieblingssportart meinen:

Kanada Urlaub – Ein reißender Fluss voller crushed ice

Eine unserer ersten touristischen Ziele waren die Niagarafälle. Von Toronto aus ist man mit dem Bus in ungefähr einer Stunde dort. Einmal angekommen bot sich uns ein Bild, das wir so nie erwartet hätten. Wie auf dem Titelbild dieses Artikels zu sehen, ist der See, der sich aus dem herabfallenden Wasser bildet, fast komplett zugefroren. Auch der Wasserfall, der auf der amerikanischen Seite ist, war durch das Eis zum Stillstand gebracht worden. Zur Erinnerung, es ist der kälteste Winter seit über 100 Jahren. Das Bild, das sich beim Fluss oberhalb des Wasserfalls bot, war umso unglaublicher. Eine Masse an „crushed ice“ presste sich Richtung Abgrund und verursachte eine riesige Dampfwolke beim Aufprall.

Niagarafälle – direkt am Abgrund
Niagarafälle – direkt am Abgrund

Das Überraschendste allerdings war nicht das Wasser, sondern das, was sich drum herum abspielte. Durch den großen touristischen Andrang hat sich ein Entertainment-Bezirk gebildet, der den Einfluss der USA nur so unterstreicht. Kasinos, Spielcenter und üppige Restaurants sind hier im Überangebot vorhanden. Das bekannteste Kasino ist direkt am Ufer und ist gleichzeitig der perfekte Ausblick auf die Niagarafälle. Ich muss ehrlich sagen, dass dieses ganze Entertainment um den Wasserfall einen negativen Eindruck hinterlässt und die Schönheit des Ortes mindert.

Zu Besuch in der eigentlichen Hauptstadt

Unsere erste Station nach Toronto war die kleine Stadt Kingston. Fun Fact: Kingston war bis 1857 die offizielle Hauptstadt von Kanada. Durch die direkte Anbindung zum Lake Ontario, war die Stadt lange das politische Zentrum. Queen Victoria entschied sich dann allerdings dafür, Ottawa zur Hauptstadt zu erklären, da die USA eine zu große Gefahr darstellten, und sie deshalb eine Stadt weiter im Landesinneren brauchten. Außerdem ist Ottawa die Schnittstelle zwischen dem englisch- und französischsprachigen Kanada.

Blick auf Kingston vom Fort Henry
Blick auf Kingston vom Fort Henry

Die Stadt hat durch ihre Größe nur begrenzt was zu bieten. Besonders nennenswert sind allerdings das Rathaus, das für jeden Besucher geöffnet ist, der aus meiner Sicht Weltbeste Pub mit einem unfassbar leckerem Fish & Chips und schließlich das Fort Henry, ein noch immer aktiver Militärstützpunkt. Leider standen wir dort vor verschlossenen Türen, da im tiefsten Winter (Februar) keine Besucher erlaubt sind. Nichtsdestotrotz hat Kingston im Vergleich zu Toronto einen gemütlichen Eindruck hinterlassen. Hier hat man sich sofort wohl und willkommen gefühlt.

Unsere nächsten Stationen auf dem Trip waren definitiv abenteuerlicher. Freu Dich auf Insights aus Ottawa, Montréal und Québec, und besonders auf den Ausflug im Hundeschlitten. Hier geht es zu Teil 2 des Kanada-Trips und hier geht es zu Teil 3!

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Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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