In Verbindung einer Israel-Rundreise vor ca. zwei Jahren kamen meine Freundin, ein sehr guter Freund von uns und ich in Jerusalem zu dem Entschluss, einen kleinen Abstecher ins benachbarte Jordanien zu unternehmen, um die sagenumwobene Felsenstadt „Petra“ in ihrer vollen Pracht bestaunen zu können.

Wie das halt so gemacht wird heutzutage, haben wir erstmal unser iPhone befragt, um einen günstige und geeignete Busverbindung zu einem Grenzübergang zwischen Israel und Jordanien rauszusuchen. Entschieden haben wir uns für den südlich liegenden Yitzhak-Rabin-Grenzübergang, einer von drei Grenzübergängen, der seit dem Friedensabkommen beider Länder im Jahre 1994 geöffnet ist. Die umgerechnet ca. 18 Euro, die für die fünfstündige Busfahrt zur Grenze, am Toten Meer vorbei, durch Teile der Negevwüste führte, erschienen uns für dieses Vorhaben mehr als legitim.

Let’s try AirBnB again

Da wir schon in Tel Aviv und Jerusalem hervorragende Erfahrung mit dem inzwischen weltbekannten Unterkunftsbuchungsportal „Airbnb“ gemacht hatten, war für uns von vornherein klar, dass wir am liebsten wieder Quartier bei einer Privatperson in der Nähe von Petra beziehen möchten. Nach längerem studieren der angebotenen Unterkünfte über die App, sind wir schließlich fündig geworden. Wir haben ein Zimmer für uns drei mit einer Übernachtung in Wadi Musa, eine Kleinstadt die ein paar Kilometer vom UNESCO-Weltkulturerbe „Petra“ entfernt liegt und einer weiteren Nacht direkt in Petra bei unserem Gastgeber Ali gebucht. Soweit so gut, die Vorfreude war riesig. Am nächsten Morgen mussten wir recht zeitig unsere angemietete Wohnung in Jerusalem räumen, um den ersten von vier täglichen Bussen Richtung Eilat, welcher um 08.30 Uhr losfuhr, zu bekommen.

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Busfahrt ins Ungewisse

Am beschaulichen Busbahnhof angekommen, blieb uns noch etwas Zeit um uns reichlich mit Wasser und anderem Proviant einzudecken. Mehr oder weniger pünktlich saßen wir etwas später im fast voll besetzten Bus, mit einigen zivilen Locals und gefühlt der halben israelischen Armee, da sich in der Nähe Eilats, also unserer Endhaltestelle, eine der größten Ausbildungskasernen junger israelischer Soldaten befindet. Wir wussten jedoch die ganze Fahrt hindurch nicht so recht, ob wir uns durch die reichlich vorhanden Kalaschnikovs und AK 47’s, die jeder junge Soldat während seiner Schicht bzw. seines Gehorsams bei sich tragen muss, extrem sicher oder unsicherer denn je fühlen sollten.

Die Busfahrt bescherte uns einen wundervollen Einblick in die landschaftliche Schönheit Israels. Wir fuhren lange an der Küste des Toten Meers entlang, konnten uns ein Bild der Steppenwüste machen und kamen an den beiden kleinen Städten Sodum und Gomorra vorbei, die laut dem Alten Testament durch Gott wegen ihrer Sündhaftigkeit von einer dicken Schicht Schwefel begraben wurden. Die Bewohner scheinen sich von diesem Vorfall aber gut erholt zu haben.

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Einmal ausreisen, bitte!

Endlich am Busbahnhof Eilat angekommen, stiegen wir aus dem angenehm klimatisierten Bus aus und ließen die 40 Grad im Schatten auf uns wirken. Besonders lange konnten wir uns jedoch keinen Eindruck vom Partyort Eilat machen, da der Grenzübergang nach Jordanien gegen Sonnenuntergang schloß. Wir schnappten uns also das nächste Taxi und ließen uns bis zur Grenze fahren. Dort angekommen und mit unseren Trekking Rucksäcken bewaffnet gingen wird durch die israelische Grenzkontrollen, dies nimmt zusätzlich Zeit in Anspruch, da man stichprobenartig zum Grund seiner in unserem Fall kurzweiligen Ausreise befragt wird.

Den eigentlichen Grenzübergang muss man über einen eingezäunten etwa 400 Meter langen gepflasterten Weg passieren, was ein etwas mulmiges Gefühl hervorruft, da man dabei intensiv von den bewaffneten Grenzpatrouillen beider Länder beäugt wird. Auf der jordanischen Seite angekommen wurden wir herzlich begrüßt und mehr oder weniger zügig kontrolliert. Nach ein paar Fragen der jordanischen Soldaten über den deutschen Fussball, und wer nun der beste Spieler Bayern Münchens sei, durften wir einreisen.

Ein neuer monogamer Freund

Anschließend wurden wir zu den um Aufmerksamkeit werbenden Taxifahrern weitergeleitet, die alle ein gutes Geschäft in uns sahen, da wir zu recht später Stunde noch eine Mitfahrgelegenheit ins Landesinnere benötigten. Allerdings wird man hier vor Abzocke geschützt, denn eine große Tafel zeigt die Preise für die Fahrten zu den wichtigsten Orten an. Unser Fahrer, seinen Namen habe ich leider vergessen, wurde aber durch ein kurzes Wortgefecht bestimmt, an dem wir aufgrund sprachlicher Defizite unsererseits leider nicht teilnehmen konnten.

Wir saßen nun also in einem Kleinwagen dessen Heckscheibe mit einem schwarzen Tuch verhangen war, mit der Begründung, dass es unser Chauffeur lieber dunkel hätte. Nachdem unser aufmerksamer Taxifahrer neugierig nach dem Beziehungssaluts von uns dreien gefragt hatte, da er davon ausging, dass wir beiden Männer uns die eine Frau teilen würden, hat er uns offenbart, dass er ebenso die monogame Lebensweise pflegt. Schon nach kurzer Zeit kristallisierte sich heraus, dass er sich auch keinen Meter ohne die Klänge arabischer Rhythmen hinfort bewegen kann. Der dennoch sehr freundliche und sympathische Fahrer kurvte nun mit uns durch die Steppen- und Felslandschaften Jordaniens und brachte uns nach gut drei Stunden, mit einer unglaublichen Souveränität und schlechter Sicht, wegen der kompletten Finsternis um uns, durch die ganzen Schluchten und Kurven ans Ziel in Wadi Musa – zu unserem Gastgeber Ali.

The one and only Ali

Ali, ein mit Jogginghose, Turban und FC Barcelona Trikot bekleideter Nabatäer,also ein Nachfahre des ursprünglich in Petra angesiedelten Volkes. Er und seine italienische Frau, sowie sein bester Bro Mehdi nahmen uns unheimlich herzlich bei sich auf und warteten sogar extra bis ca. 23 Uhr mit dem Abendessen auf uns. Leider wissen wir nicht genau, was wir an besagtem Abend gegessen haben, aber es war köstlich! Ganz der Tradition nach saßen wir im Wohnzimmer auf dem Boden und haben gemeinsam von einem großen Tablenn Reis mit Hühnchen in Soße gegessen.

Wir vereinbarten am nächsten Morgen um acht Uhr zu frühstücken und dann mit Ali’s Begleitung zum Eingang der Tore Petras zu fahren. Pünktlich wie die Deutsche Bahn weckte uns Ali am nächsten Morgen und verkündete, dass das Frühstück bereit stand und er schon einen Freund, der uns mit seinem Auto abhole, kontaktiert habe. Wir aßen noch gemütlich auf und fuhren danach durch das stadtinnre Wadi Musa’s zum Eingang und Besucherzentrums Petras.

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Nicht günstig, aber OHO!

Der Eintritt von 50 JD (circa 58 Euro) pro Person für eine Tageskarte ist nicht grade das, was man als günstig bezeichnen kann, aber nun ja, es ist ein einmaliges Erlebnis und das jordanische Königshaus versucht natürlich daraus auch seine Vorteile zu erzielen, wem kann man’s schon verübeln. Endlich angekommen und mit in Wasser getränkten Turban um den Kopf gewickelt, um wenigstens einen Versuch zu starten der stechenden Hitze etwas zu entgehen, wanderten wir fröhlich los in Richtung der weltberühmten Schlucht an dessen Ende sich der majestätische Eingang zur Felsenstadt Petra befindet.

An einigen anderen Touristen, Eseln und Stadtführern vorbei, gingen wir den ca. 4 Kilometer langen, felsigen Weg entlang und verschafften uns einen ersten Eindruck darüber, was auf uns zukommen würde. Wir hatten bei Ali ja nicht nur die eine Nacht in Wadi Musa gebucht, sondern eine weitere, genauer gesagt in der Höhle seiner Vorfahren, mitten in den Weiten der Jahrtausende alten Felsenstadt, die bis zum heutigen Tag in Familienbesitz geblieben ist.

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Architektur Deluxe

Am Ende der hohen, imposante Schlucht, an der durch den Siq eine in die Felswand gehauene Wasserleitung verläuft angekommen und gefühlte hundert Fotos später, konnten wir den ersten Blick auf die riesigen in Stein gemetzelten Gebäude und Höhlen erhaschen. Der dritte Teil von Indiana Jones wurde tatsächlicher Weise hier gedreht und hat die Hauptattraktion in Petra perfekt in Szene gesetzt. Es geht hier um die sehr beeindruckenden Felsengräber, die die Nabatäer vor Tausenden von Jahren, hoch oben in den Bergen in Stein gehauen haben. Palastartige Fassaden mit pompösen Säulen, die auch Architekten von heute nicht besser hätten entwerfen und bauen lassen können.

Nachdem wir einen Treffpunkt für den Abend mit Ali ausgemacht hatten, von dem er uns mit seinem Esel zu unser Höhle für die Nacht führen sollte, machten wir uns auf den Weg genau zu diesen besagten Felsengräbern.

Fortsetzung folgt…

Oliver Haarmann

Ich studiere Wirtschaftspsychologie und in mir steckt ein kleiner Sherlock Holmes, denn gute Thriller auf dem Kindle, gehören zu mir wie das Ginger Beer in den Gin, was mich auch gleich zu meinem Lieblingsdrink führt. Wenn ich nicht gerade mit einem unserer Projekte beschäftigt bin, wird ausgiebig gekocht, die neusten Netflix-Produktionen geschaut oder im Englischen Garten eine Runde mit Freunden gekickt. Sobald es das Budget zulässt wird die nächste Reise geplant, am liebsten in sonnige Länder, denn ich bin ein absoluter Sommermensch! Meine große Liebe gilt außerdem der Musik. Teilt euer Feedback gerne auf Instagram @oh.xxii mit mir.

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