Kevin Spacey a.k.a. Präsident Francis Underwood flimmert seit Freitag wieder über unsere Bildschirme. Die 13 Episoden der heiß ersehnten, vierten Staffel der Netflix-Serie House of Cards haben zumindest mich den Großteil des Wochenendes vor dem Fernseher verbringen lassen.

(Achtung: Spoiler! Allerdings verrate ich in meinem Artikel nichts zur neuen Staffel sondern greife nur einige Inhalte der ersten drei auf)

Vor zwei Jahren brachte mich meine Suche nach einer sinnvollen Semesterferien-Beschäftigung eher zufällig auf die Serie. Die zweite Staffel war gerade erschienen und wurde dementsprechend auf Sky, welches die Exklusivrechte dafür in Deutschland hält, promotet. Ich war und bin zugegebenermaßen nicht einer der Serienjunkies, der sich pausenlos die neuesten Produktionen reinzieht. HoC aber hat es damals fertig gebracht, mich vier Tage lang beinahe pausenlos vor den Fernseher zu fesseln. Du merkst also, irgendetwas muss besonders sein an dieser Serie. Am besten fange ich von vorne an.

Intro

Wer schonmal eine Folge von HoC gesehen hat, kennt das Intro samt Titelmusik. Zeitraffer-Aufnahmen von Washington, viel Capitol, wenig Inhalt. Viel Klavier, etwas Trompete, noch mehr Trommeln und Pauken. Klingt nett, ist aber doch deutlich mehr als das. Es gibt mir das Gefühl, ein Teil davon zu sein, lässt mich eintauchen in die amerikanische Hauptstadt, in eine Welt umgeben von Macht und Intrigen. Das Intro bereitet einen auf 50 Minuten knistern vor. Es liegt immer etwas in der Luft und das schöne ist, dass dieses „etwas“ nicht vorhersehbar ist bei HoC. Man wird wirklich überrascht.

Selbst nachdem ich das Intro mittlerweile mindestens 52 mal (so viele Folgen gibt es bisher) gesehen und gehört habe, hat sich an diesem Zustand nichts bei mir geändert. Ich drücke auf Play und tauche ein in Frank Underwoods so real wirkende Story.

What’s going on in Washington?

Auch Du hast dir bestimmt schonmal die Frage gestellt, was hinter den verschlossenen Türen im Weißen Haus so alles passiert. Underwood nimmt uns mit hinter diese Türen und zeigt uns ein Bild, welches mich nicht erschreckt. Es wirkt einfach zu real, was in HoC so vorgeht und diese Verschmelzung von Realität und Fiktion ist auch genau das Ziel, das die Produzenten der Serie verfolgen. So wundert es einen auch nicht, dass im Vorfeld der vierten Staffel ein lebensgroßes Portrait von Präsident Underwood in der Smithsonian National Portrait Gallery aufgestellt wurde – also im selben Museum, indem die bisherigen Präsidenten Amerikas auch mit ihrem Portrait vertreten sind.

Als wäre das noch nicht genug, wurde ein Trailer veröffentlicht, indem Underwood zur Nation spricht. „Amerika verdient Frank Underwood. Und in eueren Herzen wisst ihr, dass ich Recht habe.“ Spacey spricht diese Worte so überzeugend, dass man meinen könnte, er befinde sich tatsächlich mitten im amerikanischen Wahlkampf. Überhaupt ist es sein Charisma, sein südstaatlicher Akzent und seine ganze Gestik, die es einem schwer macht, ihn nicht ernst zu nehmen. Wahrscheinlich würde er auch den deutlich besseren Präsidenten abgeben wie ein Donald Trump, bei dem man jederzeit Angst haben muss, dass ihm die goldene Matte gleich runterfliegt.

Von Präsident zu Zuschauer

Wenn der Hintergrund verwischt und Underwood sich zur Kamera wendet, um direkt zum Zuschauer zu sprechen, überkommt einen dieses überwältigende Gefühl, wichtig, ein Vertrauter des Präsidenten zu sein. Man bekommt Hintergrundinformationen, obwohl man doch eigentlich schon mittendrin ist. Der Zuschauer wird noch tiefer mit reingezogen in Underwoods Gedanken.

Okay, dass jemand mordet, um amerikanischer Präsident zu werden, ist vielleicht etwas zu weit hergeholt. Aber der Fakt, dass es einen nicht sonderlich stört, dass es Underwood nicht unsympathisch macht, zeigt mir doch dass es nicht weit von der Realität entfernet sein kann. Und ganz ehrlich, Bush oder andere Präsidenten hatte auch einige unschuldige Menschenleben auf dem Gewissen. Er hat sie zwar nicht mit seinen eigenen Händen ermordet, aber er war der Entscheidungsträger.

Noch einen Schritt weiter als der Rest

Die vierte Staffel knüpft genau an dem Punkt an, an dem die dritte aufgehört hat und um den sich in der Serie eigentlich alles dreht: Die Beziehung zwischen Frank und seiner Frau Claire. Die beiden haben sich als eingeschworenes Team radikal in das Weiße Haus manövriert und sind nun kurz davor, sich das Erreichte selbst wieder zu zerstören. Doch wie immer wird der Zuschauer überrascht sein, in welche Richtung die Story geht.

Staffel drei war vielleicht für viele die „schwächste“ bisher, doch ich tue mir schwer, dem zuzustimmen. Jede Staffel für sich ist genial und die neuste steht dem in absolut nichts nach. Ich kann Dir nur empfehlen, wenn nicht bereits geschehen, Dich schnellstmöglich vor den Fernseher zu setzen und dir die 13 neuen Folgen anzusehen.

Underwood for President!

 

Bilder: Andrés Nieto PorrasChris

 

Marcel Heil

Gebürtiger Pfälzer (der beste Wein..) und nun Wahl-Bayer (das beste Bier...) . Ich bin am liebsten im kreativen Bereich unterwegs - Fotos machen und Videos drehen sind die Dinge, die mir am meisten Spaß machen und mich am meisten motivieren. In meinem realen Leben entwickele ich Software - das hätte ich vor ein paar Jahren selbst nicht gedacht - aber es macht mir Spaß! Wenn ich mal nicht mit eyeslovetosee oder meiner Arbeit beschäftigt bin, findest du mich entweder im Fitnessstudio oder vor dem Fernseher zu Netflix oder Fussball.

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