Der bayerische Autobauer BMW feierte gestern, am 7. März 2016, sein 100 jähriges Jubiläum und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Vom kleinen Flugzeugmotorenbauer zum Automobilhersteller und von einer Fast-Pleite zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt, lässt die Geschichte nichts aus.

Quelle: BMW
Quelle: BMW

Flugzeuge, Motorräder, Autos, Internet der Dinge

Natürlich hat sich das Geschäftsfeld der Bayerischen Motorenwerke in den letzten 100 Jahren mehrfach stark verändert. 1917 wurde der erste Flugzeugmotor der Firma vorgestellt, der sofort für seine hohe Qualität und Leistung gelobt wurde. Die größten Auftraggeber waren in der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs natürlich das Militär. Schon 1918, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, musste das Konzept des Unternehmens grundlegend geändert werden, da der Bau von Flugzeugmotoren in Deutschland untersagt wurde. Weitere Motoren für LKWs und Boote gingen in die Produktion, bis 1923 das erste Motorrad, die BMW R 32, folgte, die sich durch eine revolutionäre Architektur mit einem quer verbauten Boxer Motor auszeichnete. Weitere 10 Jahre später durfte sich der Konzern auch “Autobauer” nennen. Mit dem 1933 eingeführten Mittelklasse Modell BMW 303 wurde das erste Auto präsentiert, das sich durch eine Leichtbauweise und Sportlichkeit sofort gegen die bisherigen Autos auf dem Markt behaupten konnte. 1959 stand dann wieder ein Tiefpunkt bevor: Die Trennung Deutschlands und einige wenig erfolgreiche Modelle führten fast zum Verkauf an Daimler-Benz, der kurz vor der Vertragsunterzeichnung durch den Großaktionär Herbert Quandt abgewendet wurde.

Der BMW 1500 auf der Leopoldstraße in München. Quelle: BMW
Der BMW 1500 auf der Leopoldstraße in München. Quelle: BMW
Der "BMW 507" aus dem Jahr 1957. Quelle: BMW
Der „BMW 507“ aus dem Jahr 1957. Quelle: BMW

Mit neuen Modellen und stimmigerer Modellpalette konnte sich das Unternehmen zurückkämpfen und ist nun seit drei Jahren in Folge die wertvollste Marke Deutschlands und die 11.-wertvollste Marke der Welt. Doch auf diesem Erfolg darf sich BMW keinesfalls ausruhen. Die neuen Konkurrenten kommen aus dem Silicon Valley und heißen Tesla, Google und Apple.

ConnectedDrive vs. Google/Apple

Die Produkte mit denen BMW im Zeitalter von immer mehr vernetzten Geräten und dem absehbaren Ende von Verbrennungsmotoren entgegnen will heißen ConnectedDrive und BMWi. Ersteres bezeichnet die elektronischen Helfer im Fahrzeug und das Infotainment, zweiteres für Elektromobilität. Mit der Einführung des Dreh-Kipp-Controllers im iDrive genannten Infotainmentsystem im Jahr 2001, wurde BMW zunächst nur belächelt und die Bedienung für unintuitiv erklärt. Doch in den folgenden Jahren übernahmen fast alle anderen großen Hersteller dieses vom iPod abgewandelte Konzept. Mit ConnectedDrive wurden die Fahrzeuge von BMW im selben Jahr erstmals optional mit einer integrierten SIM-Karte mit dem Internet verbunden, was neue Navigationsmöglichkeiten und die Einführung von Apps bot.

BMW i8 "Vision Future Interaction". Quelle: BMW
BMW i8 „Vision Future Interaction“. Quelle: BMW

Auf der CES 2016 in Las Vegas wurde das Konzept Vision Future Interaction vorgestellt, das zeigen soll, wie sich die Entwickler die Bedienung des Autos in Zukunft vorstellen. Der Fokus wird hier auf breite Bildschirme und Bedienung durch Gesten, Touch und Sprache gelegt, wodurch passende Informationen für den Fahrer im richtigen Moment dargestellt werden sollen. Weiterhin setzt BMW großen wert auf das manuelle Fahren, wobei sich die angezeigten Informationen etwas mehr zurückhalten. Aber natürlich kann auch ein Unternehmen mit dem Slogan “Freude am Fahren” nicht komplett die Zukunft außer Acht lassen, die nunmal “Autonomes Fahren” bedeutet.

Schon heute lässt sich ein neues Auto von BMW mit dem Smartphone verbinden, wodurch sich zum Beispiel Standheizung, Navigationsziele und einiges mehr aus der Ferne konfigurieren lassen. Mit der Vision Future Interaction wird die Vernetzung weitergedacht: Aktuelle Informationen, wie zum Beispiel Wetter, Verkehr oder Termine, werden mit dem Auto synchronisiert und auf einem smarten Gerät im Haus angezeigt. Außerdem soll das Fahrzeug automatisiert aus der Garage ausparken und vor dem Haus auf den Fahrer warten. Weitere Geräte im Haus könnten auf das Verlassen oder Eintreffen im Auto reagieren. So könnten Türen und Fenster bei Verlassen geschlossen oder das Licht oder die Heizung vor dem Eintreffen eingeschaltet werden. Viele weitere Ideen werden bei BMW bereits diskutiert und könnten sicherlich zur Konkurrenzfähigkeit mit den Internetriesen Apple und Google beitragen. Fragt sich nur wer schneller ist.

Der limitierte BMW i3 im Mr Porter Design. Quelle: BMW
Der limitierte BMW i3 im Mr Porter Design. Quelle: BMW

Elektromobilität heißt „i“

Für einen traditionellen Autobauer muss der Abschied vom herkömmlichen Verbrennungsmotor schmerzhaft sein. Hat der Konzern über 100 Jahre seine Motoren weiterentwickelt, sind die Tage gezählt. Dass dieser Schritt schwer fällt zeigt der späte Einstieg in die Elektromobilität. Während zum Beispiel Tesla schon kurz vor Präsentation des vierten Modells steht und bereits ein gut vernetztes Ladenetz aufgebaut hat, gibt es bei BMW streng genommen erst einen alltagstaugliches vollelektrisches Auto. Während das Sportwagen-Modell BMW i8 durch ein Hybrid-System angetrieben wird, gibt es den BMW i3 auch als rein elektrische Version. Der i3 ist seit Ende 2013 erhältlich, doch der Erfolg hält sich bisher noch in Grenzen. BMW hat sich den Aufbau der Submarke BMWi einiges kosten lassen. Mit mehreren Milliarden Euro wurden neue Materialien getestet, komplett neue Bauweisen entwickelt neue Werke gebaut. Langfristig gesehen könnte sich das auf jeden Fall lohnen, da zum Beispiel der enorm leichte und stabile Werkstoff Karbon auch in anderen Modellen Einzug hält.

Um Tesla ernsthaft Konkurrenz zu machen fehlt meiner Meinung nach aber ein Pendant zum Model S, also eine alltagstaugliche Limousine, die nicht zu futuristisch aussieht. In Kürze soll Spekulationen zur Folge ein neues Modell mit dem Namen i5 folgen. Derzeit stehen zwei denkbare Konzepte im Raum: Einerseits ein Van-ähnliches Format, wie vom Toyota Prius, andererseits eine Limousinen-Form. Ich würde mir definitiv letzteres Wünschen.

Es bleibt also spannend, wie BMW in die nächsten 100 Jahre aufbricht und was Unternehmen, wie Apple und Google letztendlich veröffentlichen. Bei jenen Unternehmen gibt es bisher auch nur reine Spekulationen, ob es eigenständige Autos oder integrierte Systeme werden.

 

Quellen:
BMW PressClub: 100 Jahre BMW, Vision Future Interaction

Max Graf

Ich arbeite als Visual Designer und genieße es meine Freizeit zum Schreiben von Artikeln und Produzieren von Videos besonderer Erlebnissen zu nutzen. Meine Interessen liegen vor allem in neuer Technologie, Design und Start-Ups. Außerdem liebe ich es zu reisen!

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