Am Montag fand die alljährliche Entwickler-Konferenz von Apple statt: die WWDC 2016. Wie es inzwischen üblich ist, wird gemeckert, kritisiert und bemängelt, dass Apple nicht mehr innovativ ist und sich sein eigenes Grab gräbt. Wer das denkt, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht! Apple hat nämlich soeben seine Existenz für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

„We are not here for a quarter or two quarters or the next quarter or the next year to next year, we are here for a thousand years, and so we’re not about making the most, we’re about making the best.“ – Tim Cook

Die Konferenz fing natürlich mit einer Keynote an, die sich wie immer hauptsächlich mit Software und weniger mit Hardware beschäftigte. Bei der Gelegenheit präsentierte die Führungsriege um Tim Cook die neuesten Updates, Funktionen und auch Spielereien rund um die verschiedenen Betriebssysteme. Doch diese Neuerungen waren – im Gegenteil zum weit verbreiteten Denken – eine der größten „Strategie-Wechsel“, die Apple seit langem gesehen hat. Und genau damit hat sich das Unternehmen aus Cupertino zurück an die Spitze katapultiert und sich diesen Platz für die kommenden Jahre gesichert. 

WWDC – So viel Freiheit gab es noch nie

Den ersten Grundstein, den Apple gelegt hat, ist die Definition der großen Plattformen. Für das bloße Auge ist an sich nur iOS, tvOS, watchOS und das umbenannte macOS sichtbar. Doch durch die Freigabe von Siri für „Third-Party-Apps“ und der Weiterentwicklung von iMessage, hat Apple die Pforten für die so wichtigen Entwickler noch weiter geöffnet. Die Liste der APIs ist also signifikant gewachsen und damit ist nun noch mehr Platz für die Kreativität der Developer, die in Zukunft das Apple-Sortiment unabdingbar machen werden.

Auch für die Endnutzer hat Apple sich mit iOS 10 geöffnet und ist dem „Schrei nach Liebe“ gefolgt. Es ist nun endlich möglich, die unnötigen vorinstallierten Apps zu löschen und bei Bedarf wieder aus dem App Store herunterzuladen. Was erst als Gimmick rüberkommt, ist aber fundamental für zukünftige Entwicklungen. Apple gibt dem User mehr Freiheiten, sein Gerät zu personalisieren. Außerdem kann Apple nun endlich die Apps seprarat von einander updaten, was bisher ein komplettes System-Update erforderte.

So jung wie möglich einsteigen

Die Keynote hat noch etwas anderes Wichtiges aufgezeigt. Apple legt immensen Wert auf unsere Nachkommen. Da nimmt es sich Tim Cook sogar selbst raus, das neue Swift Playground vorzustellen. Mit dem Programm will Apple bereits Kinder dazu bringen, mit dem Apple-Ökosystem zu interagieren und vor allem Apples Programmiersprache Swift spielerisch zu lernen. Klar wird ein Kind keine 600 Euro und mehr für die Devices berappen können, doch Kinder werden erwachsen. Und dann haben sie das Händchen dafür, im Apple-Universum tätig zu werden.

Außerdem wird das Update von iMessage eine enorme Rolle bei den Jugendlichen spielen. Wir wissen inzwischen woher Emojis kommen und, dass sie unumgänglich sind. Das hat auch Apple nun beherzigt, und iMessage zu einem ultimativen Spielplatz für kreatives und auch kindisches Messaging gemacht. Zum Beispiel können Wörter einfach durch Emoji ersetzt werden, Texte „aufgeblasen“ oder auch verschwommen (der User muss den Text freirubbeln) verschickt werden. Erwachsene können einfach nicht verstehen, welchen Einfluss das auf die jüngeren Generationen hat.

Auf dem Weg zur Perfektion

Als letzten Punkt will ich an dieser Stelle den Fokus von Apple auf die Ausarbeitung von relativ neuen Funktionen loben. Angefangen beim noch wenig genutzten 3D-Touch. Ich muss ehrlich sein, dass ich diese Funktion nur sehr selten nutze, da die bisherigen Möglichkeiten nicht mit meinem „Daily-Usage“ vereinbar sind. Ich persönlich brauche nämlich den Shortcut zum nächsten Facebook-Post genauso wenig wie die Möglichkeit, direkt den Selfie-Modus auszuwählen. Apple integriert mit iOS 10 aber 3D-Touch viel weiter und tiefer, sodass diese Funktion endlich an Relevanz gewinnt. Das beste Beispiel hierfür ist 3D-Touch im Sperrbildschirm. Wenn man also eine Nachricht bekommt, kann man in diese Nachricht fest reindrücken, und bekommt eine Auswahl an Möglichkeiten, diese zu bearbeiten.

Als nächstes ist Siri dran. Es ist kein Geheimnis mehr, dass künstliche Intelligenz als die neue technologische Errungenschaft der Zukunft (und schon heute) gehandelt wird. Alle großen Technologie-Unternehmen, wie Facebook und Google, arbeiten fleißig am perfekten digitalen Assistenten, der uns das Leben so einfach wie möglich machen soll. Und mit dem Fortschritt bei Siri, geht Apple in genau diese Richtung. Wer nämlich einen Mac besitzt, kann mit dem Update auf macOS Sierra Siri nun auch dort nutzen. Mit vielen neuen Möglichkeiten, wie Kontext-basierten Anfragen und dialogartigen Befehlen, ist Siri inzwischen schlauer (und zumindest schneller), als manch ein echter Mensch 😉

Das neue macOS Sierra mit Siri
Das neue macOS Sierra mit Siri

Anstatt also rum zu heulen, dass Apple keine neuen Macs, Watches oder gar iPhones auf der WWDC 2016 präsentiert hat, sollte man mal der Software mehr Aufmerksamkeit schenken. Denn die ist es am Schluss, die Dein Apple-Device tatsächlich zum besten Gerät macht.

Du hast die Keynote verpasst? Hier gibt es sie in voller Länge:

Foto: Apple

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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