Das erste Mal begegnete ich einem „Bot“ (aus dem Englischen robot) als Kind auf der Spielkonsole. Bots sind nichts anderes als computergesteuerte Akteure, man trifft sie in vielen verschiedenen Bereichen an. Als Gegner oder Mitspieler in Computerspielen, als automatische Bandansage in Telefon-Hotlines, als ein Netzwerk von Computern zum verbreiten von Spam- bzw. Werbe-Mails, als künstliche Intelligenz für Roboter oder, ganz aktuell, als persönlicher, virtueller Assistent mit den Namen Siri (Apple), Cortana (Microsoft) oder Google auf unseren Smartphones und PC’s.

Die meisten Bots haben letztlich nur ein Ziel: Menschliches Verhalten zu simulieren.

Es gibt Bots also in vielen verschiedenen Funktionen, aber zumindest die meisten von ihnen haben letztlich ein gemeinsames Ziel: Menschliches Verhalten zu simulieren. Bots gibt es schon seit vielen Jahrzehnten, einer der ersten Forscher in diesem Gebiet war Computer-Wissenschaftler Alan Turing, seinerzeit Pionier in der modernen Informations- und Computertechnologie. Er schuf einen großen Teil der theoretischen Grundlagen, die noch heute in der Informatik gelten.

Seine Tests beschäftigten sich damit, text-basierte Konversationen zwischen Computern und Menschen zu analysieren. Ein sogenannter „Observer“ – eine Art neutraler Beobachter – sollte herausfinden, welcher der Konversationspartner Computer und welcher Mensch ist. Die Bots, die den Oberserver getäuscht hatten, bestanden den Test.

Die ersten modernen Bots tauchten Anfang der 2000er Jahre in Instant Messengern wie AOL auf. Man konnte den sogenannten „ActiveBuddy“ nach dem Wetter, dem Kinoprogramm und Nachrichten fragen. Doch mit dem Untergang von AOL verschwand diese Art von Bots schnell wieder von der Bildfläche. In den folgenden Jahren, der sogenannten Desktop-Ära, wurde Google zur zentralen Quelle für Informationen.

Mobile Geräte hauchen den Bots neues Leben ein

Erst mobile Geräte und ihre vielfältigen Möglichkeiten ließen die Bots in den letzten Jahren wieder wichtiger und vor allem schlauer werden. Man findet sie in vielen Apps als Schnittstelle zu Services, sogennaten APIs (Application Programming Interfaces). Diese lassen uns Fotos über WhatsApp verschicken oder auf Facebook hochladen, ermöglichen es uns auf unserem Smartphone durch die Städte zu navigieren oder ein Taxi über eine App zu bestellen.

Textbasierte Kommunikation bestimmt unser Leben

Mobile Geräte bringen aber eine weitere, noch viel größere Möglichkeit mit sich: Eine übergeordnete Schicht, die all diese Apps und ihre APIs miteinander verknüpft. Die Frage, wie man diese am komfortabelsten und effizientesten erreichen kann, ist schnell beantwortet. Mit textbasiertem Input.

Sicherlich ist die Sprache unter Umständen noch komfortabler, doch bringt diese Eingabemethode viele Probleme und Herausforderungen mit sich. Assistenten wie Siri oder Cortina sind mittlerweile zwar wirklich smart geworden, doch textbasierte Bots können einfach mehr – und greifen einen Fakt auf, der jedem schnell einleuchtet: Der Großteil unserer täglichen Kommunikation findet mittlerweile textbasiert statt, sei es die traditionelle Mail oder Messenger von Facebook oder WhatsApp.

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Slack als smarte Kommunikationsplattform

Auch unser Team hat einen virtuellen Assistenten auf unserer Kommunikationsplattform „Slack“. Er heißt „Slackbot“ und versucht gerade, sich mit uns anzufreunden. Oder wir mit ihm. Jedenfalls bietet er uns viele Möglichkeiten an, uns die Arbeit zu erleichtern. Er half uns dabei, sich mit dem Tool anzufreunden, indem er uns die verschiedenen Funktionen vorstellte und uns half, ein eigenes Profil einzurichten.

Über den Slackbot hinaus bietet Slack aber für Entwickler die Möglichkeit, über die API eigene Bots zu implementieren. So gibt es Bots, die uns die Beitragsplanung über den Google Kalender erleichtern, Bots die unsere ToDo-List verwalten und welche, die einfach nur lustige GIFs in unseren Feed posten. Bots mit Humor sozusagen.

Bots könnten unsere Zukunft mitbestimmen

Das langfristige Ziel wird weiterhin bleiben, den Bots „echte“ Intelligenz einzuprogrammieren. Das heißt, sie wie Menschen lernfähig zu machen, bisher menschliche Aufgaben zu übernehmen und ihnen Charakterzüge wie eben Humor und Spontanität zu vermitteln. Genau das stellen sich die großen Firmen wie Facebook oder Google auch zur Aufgabe. Facebook arbeitet gerade daran, Bots in den hauseigenen „Messenger“ zu integrieren. Die interaktiven Bots sollen vom Nutzer im Chat kontaktiert werden können und in Echtzeit Antworten liefern.

Besonders interessant ist diese Entwicklung für Unternehmen, die so mit eigenen, über das SDK (Software Development Kit) von Facebook entwickelten Bots gezielt Kunden ansprechen können.  Es wird möglich sein, über den Messenger Flugtickets zu kaufen, Zimmer in Hotels zu reservieren oder einzukaufen, ohne dass ein Mensch ins Spiel kommt.

Bots sind sicherlich die Technologie des Informationszeitalters, die mit am meisten Potenzial mit sich bringt und welche die vielfältigsten Möglichkeiten bietet. Doch es ist auch die Technologie, die den Menschen noch bequemer machen wird, die uns noch mehr Arbeit dem Computer überlassen wird. 2016 könnte eines der wichtigsten und erfolgreichen Jahre für diese Technologie werden, vielleicht dauert es aber auch noch einige Jahre, bis Bots die Welt erobern.

Marcel Heil

Gebürtiger Pfälzer (der beste Wein..) und nun Wahl-Bayer (das beste Bier...) . Ich bin am liebsten im kreativen Bereich unterwegs - Fotos machen und Videos drehen sind die Dinge, die mir am meisten Spaß machen und mich am meisten motivieren. In meinem realen Leben entwickele ich Software - das hätte ich vor ein paar Jahren selbst nicht gedacht - aber es macht mir Spaß! Wenn ich mal nicht mit eyeslovetosee oder meiner Arbeit beschäftigt bin, findest du mich entweder im Fitnessstudio oder vor dem Fernseher zu Netflix oder Fussball.

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