In den letzten Wochen durfte ich im Rahmen der Vorstudie meiner Bachelor-Arbeit zwei Fitness-Tracker ganz unterschiedlicher Preisklasse testen. Das „Fitbit Charge HR“ und das „Xiaomi Mi Band 1s“.

Das Mi Band kostet mit einem (je nach Plattform schwankenden) Preis zwischen 15 und 25 Euro knapp ein Zehntel des Fitbit Armbandes, welches für 149 Euro zu haben ist. Das ist auch schon der Größte Unterschied zwischen den beiden.

Der Name ist nicht alles

Von Fitbit haben wohl die meisten von uns schon was gehört. Die im Silicon Valley in Kalifornien, USA ansässige Firma hat sich auf die Fahne geschrieben, trendige und qualitativ hochwertige Fitness-Armbänder und -Uhren zu produzieren. Mittlerweile hat sich die gesamte Produktpalette auf fast zehn Geräte ausgebaut.

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Vom an die Klamotten ansteckbaren Tracker „Zip“ bis zur intelligenten Körperwaage „Aria“ ist alles dabei. Xiaomi hat da etwas weniger zu bieten. Nämlich genau das Mi Band 1s, welches der Nachfolger vom Mi Band ist. Das chinesische Unternehmen, welches erst im Jahr 2010 gegründet wurde, ist innerhalb der letzten fünf Jahre zum chinesischen Marktführer für Smartphones geworden und auch international mittlerweile der drittgrößte Hersteller. Neben den Smartphones hat Xiaomi natürlich noch einige andere Produkte im Angebot, so zum Beispiel einen eigenen Smart-TV, Mi Pads oder auch einen etwas exotischeren Raumluft-Reiniger.

Gibt es alles schon, könnte man meinen und prinzipiell ist das auch richtig, also was unterscheidet Xiaomi vom Rest der großen Hersteller wie Apple, Samsung oder Sony? Ganz einfach: der Preis. Nicht nur das Mi Band, sondern auch die anderen Produkte sind preislich sehr attraktiv. Trotzdem legt Xiaomi viel Wert auf wiedererkennbares und minimalistisches Design, wodurch sich der große und schnelle Erfolg sicherlich erklären lässt.

Fitbit Charge HR

Zurück zum Charge HR. Von seinem Vorgänger, dem „Charge“, unterscheidet sich das Armband genau in einem Feature: es hat einen integrierten Pulsmesser. Dabei setzt Fitbit wie zum Beispiel auch die Apple Watch auf einen optischen Sensor, der zusammen mit zwei grünen LEDs die Messung übernimmt und dabei sehr genau Ergebnisse liefert – vorausgesetzt, man trägt das Armband an der richtigen Stelle am Handgelenk. Das ist vor allem im Alltag sehr praktisch, denn ein lästiger Pulsgurt entfällt und man hat so die Möglichkeit, seine Herzschläge 24/7 zu checken. Gerade für Menschen mit Herzkrankheiten oder für welche, die an bestimmten Konditionszielen arbeiten, ist dies ein hilfreiches Feature.

Auch sonst überzeugt das Armband mit Funktionen wie dem anschalten des Displays, wenn man den Arm dreht und der Möglichkeit, Workouts zu tracken. Insbesondere die Möglichkeit, abgesehen von der Synchronisierung per App oder Computer, das Band ganz autonom ohne Smartphone in der Hosentasche nutzen zu können, ist ein Kaufargument. Auch die Smartphone App für iOS und Android überzeugt definitiv.

Fitbit Charge HR

Xiaomi Mi Band 1s

Der chinesische Konkurrent steht der kalifornischen Variante trotz des viel geringeren Preises tatsächlich fast in nichts nach. Im Gegenteil, die Batterielaufzeit ist sogar theoretisch um das sechs-fache höher. Das liegt aber mitunter auch daran, dass das Band ganz ohne Display auskommt. Lediglich drei LEDs leuchten bei bestimmten Ereignissen und ein eingebauter Vibrationsmotor kann Feedback geben. Auch das Mi Band besitzt einen integrierten Pulsmesser, der auf die selbe Technologie setzt wie das Fitbit Charge HR.

Allerdings habe ich in meiner Studie gerade bei diesem Feature doch deutliche Qualitätsunterschiede festgestellt. Allen voran kann der Sensor beim Mi Band lediglich mit Drittanbieter-Apps kontinuierlich eingesetzt werden, und da funktioniert das auch nur so lala. Dann hält die Batterie des Bandes allerdings auch keine 30 Tage mehr und auch die Batterie des Smartphones leidet sehr. Das Fitbit hingegen misst nicht nur sehr genau, sondern auch automatisch im fünf Sekunden Rhythmus, bei Workouts sogar noch häufiger – und liefert auch dann die angegebenen drei bis fünf Tage Laufzeit.

Überhaupt merkt man gerade bei der App deutlich den Unterschied zwischen den Beiden. Die „Mi Fit“ App von Xiaomi ist funktionsmäßig nicht gerade prickelnd und bietet dem Nutzer kaum einen Mehrwert. Lediglich die Google Fit oder Apple Health Integration, die bei Fitbit leider fehlt, kann punkten.

Xiaomi Mi Band 1s

And the winner is…

Insgesamt bietet Fitbit schon das bessere Paket. Natürlich ist es teurer, doch gerade das Ökosystem mit hervorragender App bzw. Webseite und auch der Tragekomfort des Armbandes ist deutlich besser. Trotzdem könnte Xiaomi, nicht nur mit ihrem Fitness Armband, in Zukunft auch auf dem Deutschen bzw. Europäischen Markt eine immer größere Rolle spielen. Wir dürfen gespannt sein, was die Chinesen noch so alles auf den Markt bringen und vor allem zu welchem Preis. Denn der bestimmt nachweislich auch im Kaufkraft-starken Deutschland die Nachfrage.

 

Bilder: Webseiten der Hersteller

Marcel Heil

Gebürtiger Pfälzer (der beste Wein..) und nun Wahl-Bayer (das beste Bier...) . Ich bin am liebsten im kreativen Bereich unterwegs - Fotos machen und Videos drehen sind die Dinge, die mir am meisten Spaß machen und mich am meisten motivieren. In meinem realen Leben entwickele ich Software - das hätte ich vor ein paar Jahren selbst nicht gedacht - aber es macht mir Spaß! Wenn ich mal nicht mit eyeslovetosee oder meiner Arbeit beschäftigt bin, findest du mich entweder im Fitnessstudio oder vor dem Fernseher zu Netflix oder Fussball.

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