Die letzten zehn Jahre in der Technologie-Branche lassen sich zu den vorherigen vergleichen, wie die Geschwindigkeit einer Concorde und die eines Trabanten. Die Fortschritte waren so immens, dass vor allem viele ältere Semester den Anschluss an die jüngeren Generationen, die sogenannten Digital Natives (also die, die mit mobilen Geräten und dem Internet aufgewachsen sind), verloren haben. Doch irgendwie schleicht sich bei mir das Gefühl ein, dass diese rasante Entwicklung langsam ihrem Ende zugeht.

Technische Innovation – Wo seid ihr?

Wieso? Das beste Beispiel ist der Smartphone Markt. Seit zwei, drei Jahren sind die neuen Geräte der großen Hersteller eher Updates der vorherigen Versionen, weniger innovativ und trotzdem zunehmend teuerer. Der Markt wirkt gesättigt, da jeder von uns, ja selbst die Digital Immigrants (das Gegenstück zu den Digital Natives), so einen Taschencomputer besitzt und dafür in der Regel eine Menge Geld hingelegt hat. Durch diese Sättigung und den Mangel an echten Neuheiten sinkt das Kaufinteresse nicht nur gefühlt, sondern lässt sich auch zahlenmäßig belegen – sieht man mal von den aufstrebenden Ost-Märkten wie China oder Indien ab.

Wann hast Du das letzte Mal die Augen und den Mund aufgerissen und über ein neues, innovatives Produkt gestaunt?

Auch in anderen Bereichen wie dem Automobilmarkt oder der Konsumenten-Elektronik (Fernseher, Konsolen, etc.) gibt es außer einer Handvoll Elektroautos, die entweder hässlich oder für den Normalo unbezahlbar sind, oder immer höher auflösenden Bildschirmen, deren Bildpunkte für das menschliche Auge schon längst nicht mehr wahrnehmbar sind, recht wenig Neues zu berichten. Natürlich sind Geräte wie zum Beispiel die Virtual Reality-Brillen, die es dieses Jahr endlich zur Marktreife geschafft haben, willkommene Abwechslung. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass diese den Status eines netten Gimmicks, ähnlich zu den 3D Brillen, nicht überschreiten werden.

Sind die Innovationen der Zukunft Innovation für die gesamte Menschheit?
Sind die Innovationen der Zukunft Innovation für die gesamte Menschheit?

Innovation ist nur noch eine Randgruppe

Die großen Technologie-Konzerne wie Google, Apple oder Microsoft legen im Moment einen großen Fokus auf Themen wie Umweltschutz, Gesundheit, Hausautomatisierung oder intelligente Softwarelösungen wie die Bots. Diese Entwicklung ist sicherlich nicht negativ, sondern bringt wirklich viele Vorteile mit sich. Unser Planet kann nur davon profitieren, wir haben eine höhere Lebenserwartung, als die Generationen vor uns und unser Alltag wird immer bequemer und automatisierter. Doch irgendwie bleibt diese Innovation, von der alle immer sprechen, dabei auf der Strecke.

Oder ist es vielleicht gar nicht so? Sind vielleicht unsere Erwartungen einfach wesentlich höher als noch vor einigen Jahren? Ich denke das spielt eine wichtige Rolle. Wir sollten all diese Annehmlichkeiten die wir besitzen wieder mehr schätzen und uns nicht zum Beispiel über lächerliche Software-Bugs unserer Geräte aufregen. Es gibt tatsächlich wesentlich schlimmere Dinge in dieser Welt. Genau daran könnten Innovationen der Zukunft doch anknüpfen – sie könnten für alle Menschen wertvoll sein, und nicht nur für die kaufkräftige Mittelschicht.

Eine der größten Innovationen überhaupt - das Fernsehen
Eine der größten Innovationen überhaupt – das Fernsehen

Sind wir jetzt über dem Zenit oder nicht?

Ich glaube eher, dass wir gerade in einer Art „Abkühlungsphase“ sind. Geht man mal ganz weit zurück, bis ins 19. Jahrhundert und veranschaulicht sich welche Leistungen die Menschheit im Bereich Technologie seitdem vollbracht hat, wird zumindest mir klar, dass wir mitten in einer wundersamen Epoche leben. In den Jahrhunderten oder auch Jahrtausenden zuvor bestanden die größten Leistungen der Menschen darin, große Häuser zu bauen und große Tiere zu erlegen. Es kann nicht immer in dem Tempo der letzten Jahre weitergehen, deswegen könnte es uns jetzt ganz gut tun, eine kleine Pause einzulegen – in welcher wir Kraft für die Entwicklung neuer, innovativer und wieder alles verändernder Produkte sammeln können, die vielleicht alle Menschen auf der Welt wieder zum Staunen bringen werden.

Marcel Heil

Gebürtiger Pfälzer (der beste Wein..) und nun Wahl-Bayer (das beste Bier...) . Ich bin am liebsten im kreativen Bereich unterwegs - Fotos machen und Videos drehen sind die Dinge, die mir am meisten Spaß machen und mich am meisten motivieren. In meinem realen Leben entwickele ich Software - das hätte ich vor ein paar Jahren selbst nicht gedacht - aber es macht mir Spaß! Wenn ich mal nicht mit eyeslovetosee oder meiner Arbeit beschäftigt bin, findest du mich entweder im Fitnessstudio oder vor dem Fernseher zu Netflix oder Fussball.

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