Freunde von schönen Fotos, schließt eure Augen! Denn eine neue Fotofilter-App ist auf dem Vormarsch und überflutet bereits die sozialen Medien. Die Rede ist von Prisma.

Obwohl Prisma förmlich im Hype um Pokémon Go untergeht, hat die App in kürzester Zeit viele User generieren können. Du hast bestimmt schon Fotos gesehen, die mit Prisma bearbeitet wurden. Diese Bilder haben einen künstlerischen Effekt, als wäre es ein tatsächliches Gemälde. Was erst ganz schön klingt, ist in Wahrheit ein Rückschritt in vergangene Zeiten, wo Fotos mit Filtern zerstört wurden.

Revolutionär? Höchstens auf dem ersten Blick!

Eines muss man Prisma lassen, die Technologie hinter den Filtern wirkt durchaus revolutionär. Die App kann die geschossenen Fotos scannen und erkennt, welche Elemente sich in diesem Bild befinden und kann den Filter entsprechend anwenden. Die App bietet aktuell 36 verschiedene Filter, die auch alle ihre besonderen Eigenschaften haben. Das ist an sich etwas, was man Prisma zugute halten muss. Sobald man sich für einen Filter entscheidet, muss man jedoch ein paar Sekunden warten, bis der Filter umgesetzt wird – in unserer schnellen Welt irgendwie ein ungewöhnliches Erlebnis. Wer die App nutzen will, muss zudem mit dem Internet verbunden sein, denn ohne geht es nicht. Hintergund ist, dass die Technologie sich nicht in der App selbst befindet, sondern auf den Servern, wo das Bild quasi bearbeitet wird. 

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Prisma funktioniert nur mit einer Internetverbindung

Alles so weit so gut, doch ich bin alles andere als überzeugt und mache mir Sorgen um die Qualität der Fotografie. Die frühen Instagram-Nutzer werden sich noch erinnern, als der Feed voll mit schrägen und unrealistischen Fotos war. Zu der Zeit war das ja genau der Grund Instagram überhaupt zu nutzen. Wie Pilze schossen dann Nachahmer-Apps aus dem Boden. Da die Technik aber noch nicht so fortgeschritten war, sahen die Bilder zurückblickend schrecklich aus. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich war einer, der die Filter exzessiv nutzte.

Kreativität ist gleich null

Fünf Jahre später erleben wir mit Prisma die Wiedergeburt von diesen schrecklichen Filtern. Die Betonung liegt hier auf schrecklich, da Filter noch immer heftig genutzt werden, auch von mir. Allerdings ist das Ausmaß der Filter nicht mehr so stark, denn in der Regel dienen sie heutzutage eher dazu, die Farbsättigung zu beeinflussen oder die Helligkeit anzupassen. Natürlich ist meine Meinung höchst subjektiv und wird bei manchen auf Gegensätze treffen. Aber seien wir mal ehrlich, warum braucht man diese App eigentlich?

Ich sehe keinen Mehrwert ein Foto mit solchen Filtern zu versehen
Ich sehe keinen Mehrwert ein Foto mit solchen Filtern zu versehen

Ich kann wunderbar nachvollziehen, dass manche Filter die wichtigen Elemente eines Bilds hervorheben und so erst die richtigen Emotionen geweckt werden – die Sättigung der Farben ist hierbei ein gutes Beispiel. Aber wenn wir jetzt anfangen solche „heavy“ Filter wie in Prisma anzuwenden, geht doch die ganze Kunst der Fotografie flöten. Ich zumindest versuche schon mal kreative Motive abzulichten, die auch ohne jegliche Nachbearbeitung interessant, schön und/oder aufregend sind. Wo besteht der Sinn dann darin, ein Foto mit einem Prisma-Filter zu verschandeln? Das bedeutet für mich, dass dieses Foto nicht gut genug ist, um es alleinstehend zu zeigen. Der Filter wird das nicht richten können.

Ähnliche Technologie, weniger Impact

Manch einer wird mir vorwerfen, dass ich zu hart mit Prisma ins Gericht gehe. Immerhin nutzt die App ja nicht jeder, und nicht jedes geschossene Foto wird damit bearbeitet. Auch wenn es so rüberkommt, versuche ich nicht die App runterzumachen, denn die macht ihren Job wunderbar. Aber weil bei mir die Instagram– und Facebook-Feeds zunehmend mit den Prisma-Fotos zugespamt werden, sehe ich mich gezwungen, einzuschreiten.

Auch Selfies schauen nicht besser aus!
Auch Selfies schauen nicht besser aus!

Teste lieber diese Alternativen!

Ich möchte aber auch keiner sein, der keine Alternative anbietet. Die App Priime zum Beispiel nutzt eine ähnliche Technologie, um die Foto-Eigenschaften zu erkennen und Filter dem entsprechend anzuwenden. Der Unterschied zu Prisma ist nur, dass die Filter kein komplett neues Bild erstellen. Wie es sich eigentlich für Filter gehört, hebt diese App die besonderen Eigenschaften weiter hervor, aber in einem Außmaß, das immer noch ein Auge für das richtige Motiv verlangt. Wer aber mehr Freiraum bei der Gestaltung und Härte von Filtern haben möchte, dem lege ich VSCO ans Herz. Die App hat sich so ziemlich als die beste Foto-App im iOS Store etabliert und wird auch von vielen Fotografen genutzt. Wer Apples Werbereihe „Shot on iPhone“ gesehen hat, wird erkennen, dass viele der aufgeführten Fotos mit VSCO bearbeitet wurden.

Also, bitte lass die Finger von Prisma und konzentriere dich doch auf die Kunst des Fotografierens. Danke!

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

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