Erst Ello, dann Peach und jetzt Vero. Jedes Jahr aufs neue versucht ein unbekannter Neuling sich in den Weg von Facebook, Instagram und Twitter zu stellen – und wird meist überrollt. Beispiele hierfür gibt es zu genüge. Doch die neue Vero App scheint gekommen zu sein, um zu bleiben. Und das obwohl sie kurz vor dem Kollaps steht.

Wer heutzutage auf die Idee kommt, eine neue Social Media Plattform zu gründen, um es mit den „Goliaths“ der Branche aufzunehmen, wird in der Regel für geisteskrank erklärt. Denn wie soll man in Gottes Namen an den weißen Haien vorbeischwimmen, die ein starkes Standing und solch unglaubliche Budgets zur Verfügung haben? Vor einiger Zeit hatten wir über den Social Media Newcommer Peach berichtet, der in einem frischen Look und mit neuen Features User für sich gewinnen und so Fuß fassen wollte. Das Ergebnis war ernüchternd und die App war tot bevor sie richtig gelebt hatte. Was ist also an Vero anders? Die Antwort ist einfach: H-Y-P-E!

Was kann die Vero App eigentlich?

Das Konzept von Vero ist relativ einfach. Die Inhalte der gefolgten User werden kronologisch angezeigt – ein Feature, welches sich etliche User bei Faceook und Instagram wünschen. Außerdem macht es die App einem einfach, Inhalte verschiedenster Natur zu teilen: so kann man ganz normal Bilder, Links und Locations posten, wie man es bei anderen Social Media Plattformen gewohnt ist. Vero gibt einem zusätzlich die Möglichkeit, Musik direkt aus Apple Music zu posten, Filme und Serien ohne die Suche nach einem Link aus der Datenbank von themoviedb.org zu teilen, oder auch Bücher direkt aus iBooks zu empfehlen. Die Inhalte sind so deutlich näher und zugänglicher.

Was bei Facebook zwar möglich, aber nicht wirklich nutzerfreundlich ist, sind die Einstellungen der Privatsphäre. Es soll nunmal nicht jeder Post an alle gezeigt werden. In der Vero App wird zwischen vier Follower-Gruppen unterschieden: Enge Freunde, Freunde, Bekannte und Follower. Folgt man also einem neuen User, kann man diesen gleich in eine der Kategorien packen. Aus meiner Sicht übersichtlicher und neutzfreundlicher als bei Facebook. Bei Instagram hat man ein solches Feature schon mal gar nicht.

Influencer machen bei Vero den Unterschied

Etwas, was Ello und Peach gefehlt hat, war ganz klar der Hype. Klar wurde über diese Netzwerke gesprochen und berichtet, doch richtig steil ging es nie und das Interesse ist ziemlich schnell gesunken. Außerdem leben wir jetzt in einer Zeit, die von Influencern maßgeblich beeinflusst wird. Und hier wird es interessant. Denn Influencer auf der ganzen Welt wechseln zur Vero App, da sie immer mehr mit den dubiosen Updates und Algorithmen der großen Plattformen zu kämpfen haben.

Auch wenn das nicht gleich ein Abschied von Instagram oder Facebook bedeutet, laden die Influencer ihre Follower ein, ihnen auf Vero zu folgen. Somit entsteht rasend schnell ein Hype um eine App, die im iOS App Store an erster Stelle in Bereich Trend liegt. So entsteht also ein Schneeballeffekt, der die App exponentiell wachsen lässt und im besten Fall eine Überlebenschance auf dem Social Media Markt sichert.

Scheitert Vero am eigenen Hype?

Dieser Schneeballeffekt wird der Vero App allerdings gerade zum Verhängnis. Wer sich überwindet, sich bei einer neuen Social Media App zu registrieren, stößt ziemlich schnell an die Grenzen der Serverleistung. Bei meinem Versuch mich anzumelden, kam ich in eine Endlosschleife, die sich nur durch schließen der App lösen lassen hat. Ich bekam keine Bestätigung der Registrierung und bekam beim zweiten Registrierungsversuch den Hinweis, dass die E-Mail-Adresse bereits verwendet wird. Ok, dann auf zur Anmeldung, die dann geklappt hat. Doch dann geht der Spuk weiter: die App fordert einen auf, den ersten Post zu teilen. Wer das macht, wird mit großer Sicherheit folgende Fehlermeldung erhalten:

Mein erster Post muss daher noch warten. Die Betreiber der App kennen das Problem aber und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung.

Und hier ist der Haken an Vero…

Vero ist nur für die ersten 1 Million User kostenlos. Alle weiteren werden in Zukunft dann eine Jahresgebühr zahlen müssen, damit sich die werbefreie Plattform finanzieren kann. Außerdem sollen Profile, die Produkte verkaufen, eine Art Provision zahlen, wenn über den „Buy now“-Button eingekauft wird. So soll die Gleichwertigkeit aller User gewährleistet und das „beste Social Media Erlebnis“ geboten werden. Ob sich das durchsetzt bleibt abzuwarten.

Das Gesamtpaket macht auf jeden Fall kein Bock und ist sehr frustrierend. Da ich eh schon kein großer Freund von Social Media bin, bin ich kurz davor die App wieder zu killen. Aber ich bleibe erst einmal gutherzig und schaue mir das noch ein wenig an.

Zur offizielle Seite von Vero gelangt ihr hier.

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

Alle Beiträge anzeigen

Love-Week 2020: Jetzt 20% Rabatt auf unsere gesamte Kollektion mit dem Code: loveislove

X