SpaceX feiert die zweite gelunge Landung einer ihrer Raketen. Was auf Anhieb gar nicht so spektakulär klingt, ist in Wahrheit der nächste Schritt zur Weltraum-Reise. Denn dank diesen landefähigen Raketen ist es für Normalsterbliche erst möglich, bezahlbare Kurztrips im All zu machen.

Es erinnert ein wenig an den Wettlauf ins All, den unsere Eltern grad so in den 1950er und 60er miterlebten. Damals kämpften die USA und die frühere Sovjetunion darum, als erster den Schritt ins Universum zum machen. Heute ist es ähnlich, denn aktuell kämpfen wieder zwei Parteien darum, als erster wieder sicher aus dem All auf dem Erdboden zu landen. Die Rede ist von SpaceX, dem ambitionierten Weltraum-Unternehmen von Tesla-Gründer Elon Musk, und Origin Blue, das zu Amazon CEO Jeff Bezos gehört. Was hier auffällt ist, dass die Mitstreiter beide aus dem amerikanischen Technologie- und Digital-Bereich stammen – aus Russland und China hört man da wenig.

Eine Rakete landet, na und?

Je nach Bezugsquelle liest man in den Medien relativ viel über die gelungenen aber auch mislungenen Landeversuche von SpaceX‘ Falcon-Raketen. Ich muss ehrlich zugeben, dass die Berichterstattungen oft zu platt sind, weswegen der Spannungsfaktor total auf der Strecke liegen bleibt. Ich bekomme immer den Eindruck, als würden sie von einer normalen Flugzeuglandung berichten – sehr spannend ist das nicht. Dabei sind die Raketenlandungen doch so revolutionär und genau das, was unsere Zukunft bestimmen wird!

Start einer SpacX Mission
Start einer SpaceX Mission

Es ist ja bekanntlich immens teuer, eine Rakete ins All zu schießen. Bei der NASA spricht man bei ihren neuen modernen Raketen von ungefähr 500 Millionen US-Dollar pro Start! Man kann sich also zusammenrechnen, was es kosten würde, solche Raketen für die große Touristenmasse anzubieten. Außerdem sind diese Raketen als „One-Way“-Lösung gedacht. Schließlich soll eine Weltallkapsel ins All befördert werden, die sich an eine Weltraumstation dranhängt, oder ein Satellit, der dann Daten an die Erde sendet. Der ungewollte Rest der Rakete verbleibt im All und gesellt sich zum bereits herumschwirrenden Weltraum-Müll. Dass diese Lösung auf Dauer keine Existenzbegründung hat, sollte an dieser Stelle klar sein.

Recycling is life

Dem Problem der Einweg-Raketen haben sich SpaceX und Origin Blue seit einigen Jahren nun mit Vollgas gewidmet. Das Ziel ist es, Raketen herzustellen, die günstig sind, genug Platz bieten und vor allem wiederverwendbar sind! Klingt ja erstmal gar nicht so extravagant. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, wie die vielen Testläufe zeigen. Beide Unternehmen haben mehrere Fehlschläge erlitten, die das Projekt fast zum Kollabieren gebracht hätten. Doch die zweite erfolgreiche Landung gibt Hoffnung und Daten, mit denen die nächsten Versuche noch sicherer sein werden.

Kurz vor der geglückten Landung der Falcon Rakete
Kurz vor der geglückten Landung der Falcon Rakete

Besonders bemerkenswert ist ja, dass die beiden geglückten Landeversuche auf einer schwimmenden Plattform im Ozean geschahen. Warum schwimmende Plattformen? Das hat mehrere Vorteile. Erstens erhöht man den Schwierigkeitsgrad, damit im Normalbetrieb Landungen auf festem Boden einfacher sind. Zweitens ist es auch ein Sicherheitsfaktor, denn sollte die Rakete umfallen, explodieren oder sonst was anstellen, ist niemand in der Nähe, der verletzt werden könnte.

Bereit für die Touristen

Die Visionen für den Weltraum-Tourismus stehen auf Seiten von SpaceX schon lange. Bereits 2010, mit dem Launch der Dragon Kapsel, zeigte das Unternehmen, was bereits möglich war. Die Kapsel war wie aus Teslas Autos bekannt, hochmodern und doch schlicht vom Design. Der Ablauf einer solchen Weltraumreise wäre dann der Folgende: Die Rakete, die die Kapsel mit sich trägt startet ins Weltall. Wenn die richtige Höhe erreicht wird, wird die Kapsel gelöst und benutzt von nun an seinen eigenen Antrieb, um im Weltall zu navigieren. Die Beförderungs-Rakete hingegen tritt den Eintritt in die Erdatmosphäre vor und landet schlussendlich wieder am Boden, wo sie neu betankt und im schlimmsten Fall gewartet wird. Eine solche Mission wird aktuell auf ungefähr 60 Millionen US-Dollar geschätzt, die im Vergleich zu den 500 Millionen der NASA wie Peanuts rüberkommen.

So könnte das Reisen der Zukunft aussehen
So könnte das Weltraumreisen der Zukunft aussehen

Ich für meinen Teil verfolge die Geschehnisse und Meilensteine mit großem Interesse. Es weckt auch ein wenig das Kind in mir, das sich so sehr wünscht, mal den Mond zu besuchen. Drücken wir SpaceX und Origin Blue also die Daumen, damit Weltraumreisen zum Massenprodukt werden, bevor meine Zeit auf der Erde abgelaufen ist!

 

Fotos: SpaceX

Richard Wiswesser

In München geboren und trotzdem als "Preiß" abgestempelt, Fußballer mit Leib und Seele (wenn auch semi erfolgreich), absoluter Tech-Nerd mit Vorliebe für Apple und Smart Home, zocke hauptsächlich FIFA und Action Adventure Spiele wie „Zelda“ und „Uncharted“, und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es, die Zeit zu kontrollieren.

Alle Beiträge anzeigen