Nach langem hin und her ist es nun offiziell: Das neue Münchner Konzerthaus soll am Ostbahnhof entstehen. Wer sich in München etwas auskennt, wird zunächst etwas verwundert sein. Der Ostbahnhof ist nicht gerade für besonders gehobenes Abendprogramm bekannt.

Bisher ist die Region östlich der Bahngleise durch ein in die Jahre gekommenes Gewerbegebiet geprägt, in dem sich in den letzten 20 Jahren viele Clubs und Bars angesiedelt haben und das 90.000 Quadratmeter große Areal zur größten Partymeile Europas gemacht haben. Fast genauso lange, seit etwa 15 Jahren, wurden Pläne für einen neuen Konzertsaal an fast 40 unterschiedlichen Standorten vorgestellt und wieder verworfen. Das erinnert sehr an die langjährigen Verhandlungen im Umbauprojekt des Münchner Hauptbahnhofs. Doch jetzt fiel im bayerischen Kabinett der endgültige Entschluss für das Werksviertel. Der Name ist übrigens unter anderem auf das Pfanni-Werk zurückzuführen, welches bis 1996 an diesem Ort Kartoffelpüree und Knödel produzierte.

1500 neue Wohnungen entstehen im Werksviertel
1500 neue Wohnungen entstehen im Werksviertel

Schon am 01.01.2016 soll ein Großteil der jetzigen Clubs und Bars in der Kultfabrik und den Optimolwerken geschlossen werden. Lediglich die Tonhalle, das Technikum und die Nachtkantine sollen bestehen bleiben und in das neue Viertelkonzept integriert werden. Geplant ist eine Mischbebauung mit Wohnungen für 3.000 Menschen, Büros für 7.000 Angestellte, fünf Hotels, 30.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, Restaurants, der Musikschule und eben dem Konzertsaal. Nach aktuellen Plänen würde der Konzertsaal direkt im Herzen dieser neuen Einrichtungen liegen.

"Werk 3" mit zentralem Platz
„Werk 3“ mit zentralem Platz

Ein Gebäude, das “Werk 1”, soll gemeinsam mit der Unterstützung der Stadt, günstige Büroflächen gezielt für Start-Ups bieten. Das erste grundsanierte und modernisierte Industriegebäude, das “Werk 3” (siehe Titelbild), soll bereits im April 2016 eröffnet werden. Seit zwei Jahren laufen hier die Bauarbeiten an den Loft- und Galerie-Büros, Künstlerateliers und Ausstellungsräumen. Außerdem bleibt hier die beliebte Kletterhalle bestehen und es zieht ein neues Hostel für junges Publikum ein. Direkt neben diesem Gebäude soll ein zentraler Platz mit Einzelhandelsflächen, Büros, Clubs, Bars, Cafés und Restaurants entstehen und zum Zentrum des Werksviertels werden. Hier soll außerdem die Möglichkeit bestehen, Open-Air-Veranstaltungen mit bis zu 5000 Besuchern zu veranstalten. Das nun beschlossene neue Konzerthaus wird ebenfalls ab Herbst 2019 an diesem Platz entstehen und soll planmäßig im Jahr 2021 fertiggestellt sein.

Generell scheint mir, als hätte diese Region Potenzial sich neu zu erfinden. Ich persönlich mag eine gewisse Industrie-Atmosphäre, wie man sie etwa am Hamburger Hafen oder im “Frau Gerolds Garten” in Zürich erlebt. Allerdings müsste hierfür auch der “Empfangsbereich” am Ostbahnhof deutlich aufgewertet werden. Bisher besteht aus der Stadt nur ein Zugang durch einen viel befahrenen Tunnel und ein kleiner Fußgängertunnel von den Bahn-Linien.

 

Fotos:
OTEC GbmH

Quellen:
Münchner Merkur, Süddeutsche Zeitung 1234werksviertel.deotec-muenchen.demuenchen.de

Max Graf

Ich arbeite als UX Designer im Smart Home Bereich und genieße es meine Freizeit zum Schreiben von Artikeln und Produzieren von Videos besonderer Erlebnissen zu nutzen. Meine Interessen liegen vor allem in neuer Technologie, Design und Start-Ups. Außerdem liebe ich es zu reisen!

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